Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

03JUN2026
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Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich Fahrradfahren gelernt habe. Ich war vier, mächtig stolz und überzeugt:  Ich kann das jetzt. Genauso wie meine große Schwester. Deshalb habe ich gedrängelt, dass die Stützräder endlich weggemacht werden. An einem Samstagvormittag war es dann so weit:  Mein Vater hat die Stützräder abgeschraubt, und ich habe mich voller Stolz auf mein orangerotes Fahrrad gesetzt. Und – bin umgefallen.  Ich musste lernen, dass so ein Fahrrad mit seinen zwei schmalen Reifen erst stabil wird, wenn man losfährt. Meinen Vater hat das viel Mühe gekostet. Denn er musste bei meinen weiteren Fahrversuchen die ganze Zeit hinterherrennen und mich am Sattel festhalten. Irgendwann hat er einfach losgelassen. Und das Wunder ist passiert: Ich bin mühelos weitergefahren.

Ich habe gemerkt: Es trägt. Ich komme vorwärts. Es funktioniert tatsächlich.
Ich finde, dass Fahrradfahren und Glauben da eine ganze Menge gemeinsam haben.

Manchmal sagt jemand zu mir: „Ich kann erst an Gott glauben, wenn ich Beweise habe, dass es ihn gibt.“ Aber vom Fahrradfahren weiß ich: Auch der Glaube funktioniert gar nicht so, dass erst alle Zweifel verschwinden und man dann sicher losglauben kann.

Ich erlebe: Beim Glauben ist es wie beim Fahrradfahren: Ich muss einfach mal loslegen. Obwohl ich nicht alles weiß. Sonst komme ich nicht vom Fleck. Vielleicht ein Gebet sprechen, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es jemand hört. Vertrauen wagen, Schritt für Schritt. Die Stabilität kommt dann unterwegs. Dass mein Glaube mich trägt, das habe ich  oft erst mitten im Leben gemerkt.

Heute, am 3. Juni, ist der „Tag des Fahrradfahrens“. Ein Tag für etwas, das viele jeden Tag wie selbstverständlich tun. Trotzdem ist Fahrradfahren für mich ein kleines Wunder geblieben: Denn man bleibt nur im Gleichgewicht, wenn man sich bewegt. Und genauso erlebe ich meinen Glauben: nicht als fertige Sicherheit, sondern als Vertrauen auf dem Weg. Einfach losfahren — und irgendwann überrascht feststellen: Ich werde getragen. Wie wunderbar!

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