Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Ein Marienkäfer landet auf meinem Arm. Und natürlich zähle ich sofort seine Punkte. Sieben Stück. Volle Punktzahl! Schutz und Segen für den ganzen Tag – so habe ich das jedenfalls von meiner Oma gelernt.
Und sofort sind sie wieder da, meine Erinnerungen aus der Kindheit: Mit meinen Freundinnen und Freunden habe ich Nachmittage lang Marienkäfer in den Wiesen gesammelt. Zu Hause, in meinem Sandkasten, haben wir den kleinen Käfern dann Wohnlandschaften gebaut. Haben Marienkäfer-Häuser eingerichtet und dafür mit Gras und Moos winzige Sandmulden ausgepolstert. Und Verbindungsstraßen gebaut zwischen den einzelnen Häusern, damit sie sich gegenseitig besuchen können. Die Marienkäfer sollten sich bei uns wohlfühlen. Wir wollten sie unbedingt behalten, weil sie doch Glück bringen. Aber am nächsten Morgen waren sie immer verschwunden. Davongeflogen.
Eigentlich seltsam, dass ich mir nie die Frage gestellt habe, warum sie überhaupt Marienkäfer heißen?
Sie haben ihren Namen tatsächlich von Maria, der Mutter Jesu. Im Mittelalter haben sie ihren Namen bekommen: „Tiere der Maria“. Denn Marienkäfer fressen Blattläuse und haben damit so manche Ernte gerettet. So sind sie zum Zeichen geworden für Schutz und Gottes Fürsorge. Zu einem Glückszeichen.
So ein Glückszeichen tut mir auch heute gut. Etwas landet genau im richtigen Augenblick auf meinem Arm, kreuzt meinen Weg, lässt mich aufmerken. So ist es mir jedenfalls mit diesem kleinen Marienkäfer gegangen. Ich sehe ihn nicht als Zauberwesen. Aber vielleicht als liebevollen Fingerzeig. Als würde Gott sagen: „Hey du, ich bin da!“
Festhalten kann ich diesen Glücksmoment nicht. Marienkäfer nicht. Segen nicht. Gottes Nähe manchmal auch nicht. Aber ich kann sie spüren. Für einen Augenblick. Und vielleicht reicht das schon, um glücklicher weiterzugehen.
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