Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

01JUN2026
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Schon der Titel klingt geheimnisvoll: „Beim Oganga von Lambarene“ Dieses Buch hat meine Mutter meiner Schwester und mir vorgelesen, da war ich in der 1. oder 2. Klasse. Ich erinnere mich gut an das Foto auf der Titelseite des Buches: Ein älterer Mann mit weißem Schnauzbart, weißem Hemd und Tropenhelm steht zwischen hohen Urwaldbäumen. Die Hände in die Seiten gestützt. Als würde er mal kurz verschnaufen und Pause machen von seiner anstrengenden Arbeit. Es ist Albert Schweitzer, der „Urwalddoktor“, wie man ihn damals nannte.

Jeden Abend hat meine Mutter uns vorgelesen aus diesem Buch. Wie Albert Schweitzer eine Klinik in Afrika errichtet hat. Mitten im Urwald, in Lambarene, im heutigen Gabun. Wie er es geschafft hat, das Vertrauen der Menschen dort zu erlangen. Das war nämlich gar nicht so einfach.

Besonders eine Geschichte hat mich fasziniert: Eltern bringen ihr krankes Kind nach Lambarene. Es ist schwach, fiebert, muss getragen werden. Die Eltern wollten zuerst nicht kommen ins Spital dieses fremden Arztes, aber Lambarene ist jetzt ihre letzte Hoffnung. Albert Schweitzer hat wenig Zeit, wenig Mittel, viele Patienten. Trotzdem schickt er die Familie nicht weg, kümmert sich um das Kind und um die Eltern. Und langsam wird das Kind gesund und das Vertrauen in den fremden Mann wächst.

Mit der Zeit erarbeitet sich Albert Schweitzer seinen afrikanischen Namen: „Oganga“ nennen sie ihn . „Oganga“, das heißt „Medizinmann“, „Zauberer“ oder auch „von den Göttern und Geistern Gesandter“. Zaubern konnte Albert Schweitzer nicht, aber er war nicht nur Arzt, sondern auch Pfarrer. Und sein christlicher Glaube hat seine Arbeit als Arzt geprägt. 

Heute, am 1. Juni, ist Internationaler Kindertag. Und in vielen Schulen wird heute auch an Albert Schweitzer erinnert. Und was mich bis heute an ihm fasziniert: Dass für ihn wirklich jedes Leben gezählt hat. Seine riesige Liebe zu allen Lebewesen ist für mich ein Spiegel von Gottes Liebe.

Deshalb feiere ich heute Albert Schweitzer und seine Ehrfurcht vor allem Leben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44529
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