Begegnungen

... mit Johanna Vering und meine Gesprächspartnerin stellt sich am besten einfach selbst vor.
Ja, hallöchen, ich bin Betty BBQ, die Schwarzwald Drag Queen, Entertainerin.
Betty BBQ trägt einen roten Bollenhut und ein Kleid, das an eine Schwarzwälder Tracht erinnert. Und Betty BBQ ist eine Kunstfigur.
Der Mensch hinter Betty BBQ ist ein homosexueller Mann. Und katholischer Christ. Jetzt ist unsere katholische Kirche ja nicht gerade bekannt dafür, dass sie queeren Menschen gegenüber wahnsinnig offen ist. Das finde ich echt spannend. Wie ist das mit der Kirche und ihm? Hat er seinen Platz gefunden?
Ja, würd ich tatsächlich sagen, als Privatperson auf jeden Fall. Ich geh ja nicht als Betty Barbecue in die Kirche, das Bedürfnis hätte ich auch gar nicht. Das ist zwar eine Seite von mir, das ist mein Job, das ist zum Teil auch meine Berufung. Aber der Mensch dahinter, der glaubt, der muss sich nicht zweieinhalb Stunden aufhübschen, um in den Gottesdienst zu gehen, sondern vor dem Herrn stehe ich dann privat, so wie ich bin.
Also das ist für mich auch immer wieder ein Ausgleich, auch wenn ich in der Kirche ganz, ganz oft die Gemeinschaft vermisse, die so gepredigt wird, wenn ich ehrlich bin. Aber ich hab meine Wege gefunden, eben trotzdem dort willkommen zu sein.
Und dann erzählt Betty, wann sie Gott besonders spürt.
Da stutzen jetzt sicher einige Zuhörer, aber eben Gott und Glaube finden auch da statt, wo eben nicht nur Leid ist, sondern wo Menschen zusammenkommen, wo sie sich gemeinsam freuen, gemeinsam lachen, vielleicht auch mal die Sorgen vergessen und auch einfach Zwischenmenschliches, wo Bänder entstehen. Genau dort ist auch Gott und Glauben.
Und das ist das, was mir so unfassbar viel Energie gibt. Und ganz tief in mir drin bin ich überzeugt, dass ohne Gott das alles gar nicht möglich wäre.
Diese Energie nutzt sie unter anderem, um bei ihren Stadtführungen Menschen zusammen zu bringen und ihnen ihre Heimat Freiburg näher zu bringen. Betty BBQ ist so etwas wie die regionale Botschafterin für Vielfalt und gute Unterhaltung.
Ich habe ein Lebensmotto, das heißt, Heimat ist nicht nur schwarz-weiß. Vielfalt, das ist das, was wichtig ist und Vielfalt kann auch überall zu Hause haben.
Zur traurigen Wahrheit gehört leider auch, dass Betty schon mehrfach angegriffen worden ist. Von Menschen, die ein Problem mit einem Mann in Frauenkleidern haben oder mit Personen, die sich so öffentlich für Vielfalt und buntes Leben engagieren. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man solche Angriffe verkraftet. Wie hat Betty das geschafft?
Mein Umfeld hat mir immer wieder zugesprochen und ich hab mich halt auch immer wieder auf meine Berufung bezogen, weil ich bin der tiefen Überzeugung, dass das, was
ich mit Betty BBQ hab, das ist, was in meinem Leben vorgesehen ist, das ist mein Weg.
Das Ganze auch in meinem Leben und meiner Arbeit nicht so viel Raum gewinnen zu lassen, weil man darf dem Bösen nicht so viel Raum geben.
Wow, ich bewundere, wie sie das schafft, unter allen Umständen für sich und das, was ihr wichtig ist, einzustehen.
Was macht die Drag Queen eigentlich gerne, wenn sie nicht mit Makeup und Bollenhut in der Stadt unterwegs ist?
Wenn manchmal nicht so viel los ist, einfach ein Käffchen trinken, draußen sitzen, die Leute beobachten und vor allem das dann privat, also nicht im Fummel, wie man bei Drag Queens ja sagt, sondern ganz einfach in Jeans und T-Shirt. Kein Mensch erkennt mich und ich kann mal ganz passiv einfach nur Beobachter sein.
Betty liebt die Stadt. Auf ihren Führungen geht es natürlich immer auch ins Münster, dem Wahrzeichen der Stadt. Was bedeutet diese Kirche für Betty?
Das Freiburger Münster bedeutet tatsächlich viel für mich. Und vor allem ist es auch der Punkt, der einen begrüßt. Ob man vom Bahnhof kommt, ob man mit dem Auto in die Stadt fährt oder ob man gar zu Fuß Richtung Freiburg pilgert, das Münster mit seinem schönsten Turm der Christenheit, wie mal ein Historiker geschrieben hat, begrüßt einen von weitem.
Genau das erlebe ich auch. Ich hab in Freiburg studiert und bis heute geht es mir so. Wenn ich in Freiburg bin und das erste Mal den Münstertum sehe, bekomme ich Gänsehaut.
Für Betty BBQ und mich steht der Münsterturm auch für den Glauben. Und der spielt eine wichtige Rolle in Bettys Leben. Was ist es, was sie daran schätzt?
Ich kann immer nur dazu sagen, der Glaube bedeutet mir wahnsinnig viel und hat mir auch schon sehr, sehr viel geholfen. Ob ich jetzt wirklich ein frommer oder gläubiger Mensch bin, das weiß ich nicht zu beurteilen. Aber auch als Sünder angenommen zu sein, das ist eine sehr, sehr schöne Botschaft, die mich schon über vieles gerettet hat in meinem Leben.
Betty BBQ hat nicht nur ihren Platz in der Kirche gefunden, sondern ...
... auch meine spirituellen Wege gefunden, indem ich zum Beispiel unfassbar viel pilgere und wallfahrte.
Betty ist schon nach Santiago de Compostela gepilgert, zum Heiligen Rock nach Trier, nach Köln, nach Walldürn im Odenwald oder auch auf den Hörnleberg im Elztal. Was reizt sie daran?
Die Ruhe, das Gottvertrauen und die Erfahrungen am Wegesrand. Einfach dieses in Einsamkeit Gemeinschaft erleben. Hört sich jetzt komisch an, aber genau das, das ist Pilgern zum Teil. Man ist zum Teil sehr, sehr viel wirklich einsam, hat Zeit, viel nachzudenken. Aber wenn der Weg und der Herrgott es will, dann hat man auch Leute an seiner Seite, weil man einfach jemand kennenlernt, weil man spontane Begegnungen hat.
Dieses komplett leben aus dem Gottvertrauen heraus und das mit nur einem Rucksack auf dem Rücken, mit den wenigsten Dingen, die man braucht, dieser Minimalismus auf Zeit, das ist so unfassbar befreiend und auch erfüllend.
Ich bin auch fest davon überzeugt, dass Gott mitten im Leben ist. Sei es unterwegs beim Pilgern, beim Feiern in der Freiburger Altstadt oder wenn es Zuhause drunter und drüber geht. Betty fasst es so zusammen:
Wer Gott ist, das wage ich nicht zu sagen. Ich wage es aber aus voller Überzeugung zu sagen, er ist da!
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