Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

06JUN2026
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Der Künstler Daniel Beerstecher wandert gerade quer durch Deutschland. Im Juni 2025 ist er in seiner Heimatstadt Stuttgart aufgebrochen. Jetzt, ein Jahr später, kommt er demnächst dorthin zurück.

Das Besondere an der Reise: Daniel Beerstecher redet unterwegs nicht. „Ich höre zu – ein Jahr im Schweigen“, so heißt seine Aktion, die gleichzeitig ein Kunstprojekt ist.

Man kann ihn unterwegs eine Zeitlang begleiten auf seiner Wanderung oder ihn als Gastgeber zu sich nach Hause einladen. Und man kann dem Künstler dabei von sich erzählen, ihm etwas aus dem eigenen Leben anvertrauen. Also ein Gespräch führen mit einem Schweigenden. Daniel Beerstecher antwortet dann nicht mit Worten, – aber er hört aufmerksam zu, lässt das Gesagte still in sich wirken und blickt einen dabei offen an.

Mich fasziniert das. Dieses Projekt kommt nicht laut daher oder pompös. Daniel Beerstecher besticht nicht mit Schlagfertigkeit oder geschwungenen Reden. Und trotzdem hat sein Handeln Kraft. Weil gerade das Schweigen Neues möglich macht. Menschen, die ein Teil dieser Reise geworden sind, zeigen sich sehr berührt von der Begegnung.

In der Bibel gibt es eine Geschichte, die weiß auch etwas von der Kraft der leisen Töne [vgl. 1. Könige 19,8-13]: Sie erzählt von Elia – er ist ein Prophet, also ein Mensch, der in besonderer Weise mit Gott verbunden ist.

Dieser Elia steckt in einer heftigen Lebenskrise. Er weiß nicht mehr, woran er sich orientieren soll, fühlt sich verlassen von Gott und der Welt. Und er macht sich deshalb auf – vierzig Tage und vierzig Nächte lang, bis er den heiligen Berg Gottes erreicht. Dort erlebt Elia einen tosenden Sturm, ein heftiges Erdbeben und ein großes Feuer. Aber in keinem dieser gewaltigen Naturelemente kann Elia Gott finden, heißt es in der Geschichte. Er bleibt verlassen.

Doch dann geschieht es. Gott kommt zu Elia, – aber ganz leise, in einem sanften Wind. Und Elia fühlt sich gehört und verstanden, kommt mit Gott ins Gespräch, ganz ohne hörbare Worte.

Stille, Schweigen – das hat tatsächlich viel mit Gott zu tun, glaube ich als Christ. Der schweigende Wanderer Daniel Beerstecher schreibt zu seinem Projekt: „Vielleicht braucht es in einer lauten Welt zuerst einen stillen Raum, in dem wieder gehört werden kann.“

Tage 278 - 281 – Zu Gast im Haus Werdenfels – Ein Ort für Stille und Begegnung | Ich höre zu – ein Jahr im Schweigen

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44499
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