SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

04JUN2026
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Warum genau tue ich das, was ich tue? Welche Erfahrungen haben mich dazu gebracht, wo hat meine Lebensgeschichte ihre entscheidenden Impulse bekommen?

Diese Frage finde ich spannend. Und ich bin darauf gestoßen, als ich mich mit Theo Lorch beschäftigt habe. Theo Lorch war Pfarrer in Württemberg. Und unter seiner Regie wurde 1969 der Verein „Werkstatt für Behinderte in Ludwigsburg e.V.“ gegründet. Menschen mit Behinderung sollten dort die Möglichkeit bekommen, sich beruflich im Arbeitsleben einzubringen. Das war damals ein wichtiger Schritt. Denn davor hatten Menschen mit Behinderung höchstens noch die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Anschließend gab es keinen richtigen Platz mehr für sie.

Wenn man in Theo Lorchs Lebensgeschichte schaut, merkt man: Keinen Platz zu haben, ausgeschlossen zu sein, das hat auch er persönlich erlebt, gleich mehrmals.

Als er gerade mal zehn Monate alt war, sind seine Eltern als Missionare nach Kamerun gereist – und zwar ohne ihren Sohn. Zusammen mit seinen beiden älteren Schwestern ist Theo Lorch bei einer Großtante geblieben. Mit sechs Jahren dann ist er in ein Kinderhaus gekommen. Dort waren Mädchen und Jungen streng getrennt – nur sonntags zwischen 13:00 und 14:00 Uhr durften sich die Geschwister sehen. Für Theo Lorch war das ein heftiger Einschnitt. Die Erfahrung, zurückgelassen zu werden und alleine zu bleiben, muss ihn tief geprägt haben.

Später als Pfarrer ist Theo Lorch mit seiner eigenen Familie nach Indien gegangen, hat dort an einer theologischen Ausbildungsstätte gelehrt. Doch 1939 wurde die Familie von der englischen Kolonialregierung verhaftet, musste für sieben Jahre in ein Internierungslager. Dort war Theo Lorch arbeitslos. Auch das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, seine Fähigkeiten nicht einbringen zu können, hat er also aus eigener Erfahrung gekannt.

Ich glaube: Das alles hat eine Rolle gespielt bei der Gründung der Werkstatt für Menschen mit Behinderung später in Ludwigsburg. Da hat Theo Lorch seinen Teil dazu beigetragen, dass Menschen eben nicht ausgeschlossen werden und einen guten Platz finden.

2006, vor zwanzig Jahren also, ist Theo Lorch im Alter von 100 Jahren gestorben. Bereits im Jahr zuvor wurde das von ihm mitgegründete Unternehmen nach ihm benannt: In den Theo-Lorch-Werkstätten nehmen heute über 800 Menschen mit Behinderung aktiv am Arbeitsleben teil.

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