SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

31MAI2026
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„Ich glaube an die Menschen!“ Die Mitarbeiterin in einem Kassenhäuschen hat mir das neulich gesagt. Wir wollten unseren Eintritt mit Karte bezahlen – das war dort aber technisch nicht möglich. Und genügend Bargeld hatten wir nicht mit dabei. Spontan durften wir dann einfach so rein – mit dem Versprechen, das Geld später vorbeizubringen. „Ihren Ausweis brauche ich nicht“, hat die Mitarbeiterin noch gemeint. Ich glaube an die Menschen.“

Das hat mich ganz schön überrascht. Wir kannten uns ja gar nicht – im Anschluss hätten wir einfach auf Nimmerwiedersehen verschwinden können. Und ich habe mich gefreut. Dass es doch noch geklappt hat, dass wir nicht wieder gehen mussten. Aber fast noch mehr gefreut hat mich das Vertrauen dieser Mitarbeiterin. Sie hat daran geglaubt, dass wir unser Wort halten, dass man sich auf uns verlassen kann. Da habe ich Verbundenheit gespürt, einfach von Mensch zu Mensch.

Und ich habe mich gefragt, ob ich selbst auch dieses Vertrauen hätte. Würde ich einem wildfremden Menschen abnehmen, dass er seinen Eintritt auch später noch bezahlt?

Vermutlich hätte ich da auch meine Zweifel. Wenn’s ums Geld geht, dann vergessen manche Leute sehr schnell, was sie mal versprochen haben. Die Erfahrung habe ich schon machen müssen. Aber – die Frau im Kassenhäuschen ja ganz sicher auch. Und trotzdem hat sie sich entschieden, weiter an die Menschen zu glauben. Und das hat den Unterschied gemacht.

Vielleicht ist das ja wie mit meinem Glauben an Gott. Auch da habe ich regelmäßig meine Zweifel. Hat Gott diese chaotische Welt wirklich in seiner Hand? Glaube ich also an das Gute in der Welt? Bewirkt es was, wenn ich bete? Was genau heißt es, dass ich Christ bin? Glauben ohne zu zweifeln, das kann ich gar nicht. Trotzdem wage ich es weiter, Gott zu vertrauen. Und ich merke: Das macht einen Unterschied in meinem Leben. Dann will ich auch an die Menschen glauben, an das Gute in uns allen – so wie die Frau im Kassenhäuschen neulich.

Übrigens: Das Eintrittsgeld, das wir damals nicht gleich in bar bezahlen konnten, hat uns dann eine andere Familie an Ort und Stelle ausgelegt, gegen Online-Überweisung. Da hat also gleich nochmal jemand an die Menschen geglaubt, und an uns. Das war die zweite schöne Erfahrung an diesem Tag.

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