Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Mit einem fröhlichen „Salam aleikum“ begrüßen sich die beiden Männer. Sie scheinen sich zufällig auf dem Bahnsteig zu begegnen, auf dem ich auf meinen Zug warte. Ich bekomme das mit und denke mir: Eigentlich ist das schön, sich so zu begrüßen. Denn übersetzt heißt das ja so viel wie: Der Friede sei mit euch. Das gab‘s sogar schon zur Zeit der Bibel. Man wünschte sich Frieden, wenn man sich traf. Auch Jesus hat das oft gemacht, wenn er Menschen begegnet ist. Wenn ich das allerdings heute tun würde und auf der Straße Leute begrüße mit „Friede mit dir“; sie würden mich im besten Fall wohl schräg anschauen. Mich für einen irgendwie komischen Kauz halten.
Shalom, Salam, Friede mit dir, dahinter verbirgt sich aber mehr als hinter den üblichen Begrüßungsfloskeln, die wir so benutzen: Servus. Hallo. Unn …? Wenn einer mir Frieden wünscht, meint er damit nämlich nicht nur, dass mich keiner verprügeln soll. Dass ich im Job nicht gemobbt und runtergemacht werde. Dass ich keinen Zoff mit meinen Nachbarn habe. Shalom, Salam, Friede, das ist auch ein Wunsch für meine Seele. Dass ich Frieden finde in mir selbst. Dass ich versöhnt sein kann mit mir, trotz allem, was vielleicht nicht rund läuft. Versöhnt auch mit allem, was ich an mir nicht leiden kann. Friede mit dir, das heißt zuerst: Ich wünsch dir inneren Frieden. Frieden mit Gott und der Welt. Seelenfrieden.
Und da, finde ich, begegnet sich der Wunsch mit dem, was so Vielen inzwischen auf den Geist geht. Das endlose gemeckert und gehässig geredet wird. Dass Gewalt zunimmt. Wer so drauf ist, der kann wohl kaum Frieden in sich haben. Und so wünsche ich Ihnen heute, dass Sie Frieden finden. Draußen auf der Straße ebenso wie tief in sich drinnen.
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