Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

26MAI2026
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Das kleine Kind mit dem roten Luftballon. Das Nashorn, das auf ein Auto klettert. Der Revolutionär, der statt eines Pflastersteins einen Blumenstrauß wirft. Die Werke, die der Künstler Banksy an Mauern und Hauswänden hinterlässt, faszinieren ganz viele. Zu dieser Kunst gehört aber auch, dass niemand weiß, wer dieser Banksy eigentlich ist. Ein Er? Eine Sie? Banksy ist ein Mysterium. Vor kurzem hat mal wieder einer damit geprahlt, dass er Banksy enttarnt habe. Dass er genau wisse, wer sich dahinter verbirgt. Ob an der Prahlerei was dran war? Unklar. Ich hab mir nur gedacht: Sei einfach still und behalt es für dich. Ich will auch Geheimnisse haben.

Natürlich ist es gut, wenn wir immer mehr wissen. Das Klima besser verstehen, erforschen, wie sich Krankheiten heilen lassen. Aber was wäre das letztlich für eine Welt, in der es nichts Geheimnisvolles mehr gäbe, nichts Rätselhaftes mehr? In der einfach nichts mehr verborgen bliebe? Es wäre eine kältere und ärmere Welt. Ich bin überzeugt, dass wir Menschen das Geheimnisvolle brauchen. Etwas, das vielleicht daran erinnert, dass die Welt immer mehr ist als das, was ich sehen, riechen, anfassen oder im Mikroskop erkennen kann. Zu diesem Mehr gehört für mich auch der Glaube. Niemand hat Gott je gesehen, heißt es schon in der Bibel. Und doch glauben unzählige Menschen an ihn. An etwas, das größer ist als die Welt. Das ich als Mensch nie begreifen kann. Und viele finden genau darin, so wie ich auch, Trost und Hoffnung.

Und deshalb hoffe ich, dass Banksy einfach ein Geheimnis bleibt. Eines das fasziniert und das Leben dadurch ein bisschen reicher macht.

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