SWR Kultur Wort zum Tag

01JUN2026
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Wenige Merkmale, die wir haben, sind so charakteristisch wie unsere Stimme. Wenn wir sprechen, geben wir immer auch etwas davon preis, wer wir sind, wie unsere Stimmung gerade ist, ob wir es gut meinen oder nicht. Unsere Stimme gehört untrennbar zu unserer Person. Ich weiß deshalb, dass ich vorsichtig sein muss, wenn ich etwas über die Stimme eines Menschen sage. Weil sie so ein elementarer Teil von uns ist, kann das ganz schnell heikel werden. Oder es kann wunderbar sein, wenn mir jemand sagt: „Ich höre Sie gern. Ich mag Ihre Stimme. Wie schön, endlich mal wieder deine Stimme zu hören.“

In der Bibel gibt es das Bild vom guten Hirten – und seiner Stimme. Jesus sagt dort: Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. (…)  Sie werden niemals zugrunde gehen...[1] Mit dem Hirten meint Jesus sich selbst. Die Stimme des Hirten Jesus ist einerseits klar und deutlich; nämlich dann, wenn es darum geht, was Gott von den Menschen erwartet. Dann vertreibt er die Händler aus dem Tempel. Dann weist er Petrus zurecht. Jesu Stimme ist andererseits zärtlich und großherzig, wenn er der Ehebrecherin ihre Sünden vergibt. Oder wenn er unterm Kreuz seine Mutter dem Lieblingsjünger anvertraut.

 

Nun spreche ich hier, und sie hören meine Stimme. Ich bin nicht Jesus; weit entfernt so ein großes Herz zu haben und so klar und deutlich zu sprechen, wenn es um Wahrheit und Liebe geht. Aber ich spreche hier von ihm, weil ich an ihn glaube. Weil ich davon überzeugt bin, dass es sich lohnt, seine Stimme zu hören. Ob es mir gelingt, etwas von ihm weiterzugeben; mit meiner Stimme wenigstens ein bisschen etwas von seiner Stimme im Radio zum Klingen zu bringen? Ich hoffe es, weil ich so meinen Auftrag verstehe. In meine Worte zu fassen, dass Gott keinen Unterschied macht zwischen den Wohlgenährten in seiner Herde und denen, die er durchfüttern muss. Eben weil Gott alle gleich wichtig sind; und ich das für richtig halte. Dass er auf die Kleinen und Schwachen ganz besonders achtet. Und wenn eines ausbüxt, dann läuft er ihm nach, nimmt es auf seine breiten Schultern und trägt es zurück in den Schutz der anderen.

Ich erzähle heute davon, weil es mir wichtig ist, dass diese Gedanken nicht verstummen. Ich will, dass Jesu Stimme gehört wird, gerade dort, wo sonst der Lärm der Waffen und das Geschrei des Hasses alles andere übertönen.

 

[1] Johannes 10,27

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