Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Zwölf Jahre lang zieht sie verzweifelt von Arzt zu Arzt. Sie unterzieht sich allen möglichen schmerzhaften Behandlungen, die sie um ihr ganzes Geld bringen. Ohne Erfolg - ihre Blutungen und ihre Schmerzen werden nur schlimmer. Die Geschichte dieser namenlosen Frau findet sich in der Bibel wieder. Sie könnte aber genauso heute von unzähligen Frauen berichtet werden.
Denn auch heute noch, zweitausend Jahre nach dieser Erzählung, dauert es im Schnitt zehn Jahre, bis Endometriose bei betroffenen Frauen erkannt wird. Möglicherweise war das die Krankheit, an der die Frau in der Bibel gelitten hat. Endometriose verursacht stärkste Periodenschmerzen und Blutungen und viele weitere Symptome, die jahrelang als normal abgetan wurden. Der Grund dafür: obwohl so viele Frauen an dieser Krankheit leiden, ist sie viel zu wenig erforscht.
Sehr viele Frauen machen laut Studien die Erfahrung, bei gesundheitlichen Beschwerden nicht ernst genommen zu werden. Schmerzen werden oft als psychosomatisch abgetan: „Das ist sicher nur der Stress!“. Das hat fatale Auswirkungen: Frauen sterben beispielsweise mehr als doppelt so häufig nach einem Herzinfarkt als Männer. Ihre Symptome sind oft anders als die der Männer, werden deshalb nicht erkannt und zu spät behandelt. Auch Medikamente sind oft auf männliche Körper abgestimmt und wirken sich bei Frauen anders aus, was schlimme Folgen haben kann.
Prof. Dr. Mandy Mangler ist Chefärztin einer Gynäkologie und sagt: das muss sich dringend ändern. Medizin muss in allen Disziplinen geschlechtersensibel werden. Dafür braucht es neben allgemeiner Sensibilisierung viel mehr verantwortliche Frauen in Medizin und Forschung. Das ist die eine Seite. Gleichzeitig rät sie allen Frauen: Trauen Sie der eigenen Wahrnehmung und bleiben Sie hartnäckig dran, wenn sie abgewiesen werden.
Das erinnert mich wieder an die Frau aus der Bibel, die hartnäckig bleibt, obwohl ihr jahrelang nicht geholfen wird. Als sie von Jesus hört, drängt sie sich durch eine große Menschenmenge, um ihn zu berühren. Und obwohl so viel Trubel herrscht, nimmt er sie wahr, er sieht sie an und spricht mit ihr. Und tatsächlich heilt sie dadurch.
Ich finde, diese Geschichte ist am heutigen internationalen Frauengesundheitstag so aktuell wie damals: Die Frau ist für mich ein Vorbild darin, für mich einzustehen, nicht aufzugeben. Und Jesu Verhalten zeigt, was wirklich hilft: Genau hinschauen und ernst nehmen, was Menschen erzählen– egal welches Geschlecht sie haben. Denn dadurch wird Heilung möglich.
Quellen:
Rebekka Endler: Das Patriarchat der Dinge. Warum die Welt Frauen nicht passt, S. 243-276.
Medical Gaslighting: Wenn Ärzte Symptome nicht ernst nehmen | ndr.de
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„Es ist schamlos, die Perspektive von Frauen überhaupt nicht zu erfragen“ - gofeminin
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44479
