SWR Kultur Wort zum Tag
„Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“ Kann man Zuversicht ins Leben besser ausdrücken als mit solchen Worten? Da oben, die Wolken am Himmel, sie ziehen unbeirrt ihre Bahn. Und du und ich hier unten, wir dürfen darauf vertrauen, unseren Weg genauso zu finden.
Das war die Überzeugung von Paul Gerhardt. Heute, an seinem Todestag vor dreihundertfünfzig Jahren, erinnere ich an ihn, den großen Theologen und Liederdichter.
Der Schrecken des Dreissigjährigen Krieges, familiäre Katastrophen und massive berufliche Konflikte haben sein Leben gezeichnet. Aber Spuren bis in die Gegenwart hat etwas anderes hinterlassen: seine Zuversicht und sein Glaube, den er in einhundertvierzig Liedern immer wieder neu in Worte gefasst hat.
Im Jahr 1648, als Soldaten aus aller Herren Länder noch plündernd durch Ruinenlandschaften ziehen, stimmt er sein Sommerlied an. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Gegen den starren Blick, der überall nur Verwüstung sieht. Ein Lied, das die Augen öffnet für die kommende, in Gott zu findende Schönheit, deren Vorzeichen aber schon jetzt überall zu entdecken sind.
Um das wahrzunehmen, muss ich nur die Blickrichtung ändern. Weg vom ewigen Gekränktsein - hin zu dem, was heilsam ist und heilen kann. „Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt,“ so dichtet Paul Gerhardt. Worte, die noch heute bei Trauungen oder auf Beerdigungen gesungen werden.
Und wer schon morgens gerne singt, kann sogar den Tag mit einem Morgenlied von Paul Gerhardt beginnen. Wenn die ersten Sonnenstrahlen den Anbruch eines neuen Tages ankündigen, dichtet er: „Die güldene Sonne voll Freud und Wonne bringt unseren Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes liebliches Licht.“ In diesem Licht hat er unter einem weiten Himmel gelebt. Und da lässt sich‘s auch heute leben!
Dafür sage ich danke an den großen Dichter, der vor dreihundertfünfzig Jahren gestorben ist. In seinen Liedern kommt er mir bis heute ganz nah.
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