SWR Kultur Lied zum Feiertag/Zum Feiertag

25MAI2026
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Musik 1: „Veni creator spiritus“

„Veni creator spiritus“ – „Komm, Schöpfer Geist!“ Seit über tausend Jahren wird diese Bitte an Pfingsten laut. Ein lateinischer Hymnus, Hrabanus Maurus zugeschrieben – der war in der Mitte des 9. Jahrhunderts Erzbischof von Mainz. Martin Luther hat das Lied dann ins Deutsche übertragen:

Musik 2: „Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist“

„Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist …“ Aus Gottes schöpferischem Geist entstand einst die Welt. Die Bibel erzählt: „Die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“

Das hebräische Wort „ruach“ – Geist – kann auch Wind bedeuten. „ruach elohim“ – der Geist Gottes über dem Wasser; oder ein „Gotteswind“, ein gewaltiger Sturm, der über das Wasser tobt.

An so einen Gottessturm scheint Gustav Mahler gedacht zu haben, als er den alten Hymnus in den Eingangssatz seiner 8. Sinfonie aufgenommen hat:

Musik 3: Gustav Mahler, 8. Sinfonie

Mit Macht schafft Gottes Geist eine ganze Welt – und mitten darin die ersten Menschen. Mit unserem Atem – ebenfalls hebräisch ruach – haben wir bis heute Teil an dieser Herrlichkeit.

Zugleich zeigt gerade der Atem, den wir nach der Bibel von Gott eingehaucht bekommen haben, wie schwach und zerbrechlich wir sind. Wie preisgegeben allen Stürmen unseres Lebens.

„Infirma nostri corporis firmans virtute perpeti – Gib unseren schwachen Körpern die Kraft, auszuharren“: Mit diesen Worten verbindet der Hymnus unsere menschliche Schwäche mit der Kraft Gottes.

Musik 3

Die Schwäche des Menschen ist das eine. Zugleich ist die Finsternis, die seit Urzeiten aller Schöpfung vorausgeht, nie ganz fort. Wir erleben sie als Finsternis der Gewalt, des Leids, der Verzweiflung, der Todesangst. Das Erste, was Gott in der Finsternis erschaffen hat, ist daher das Licht.

Musik 3

„Accende lumen sensibus, infunde amorem cordibus …“
„Entzünde ein Licht in unserem Sinn, in unserem Geist und Verstand.
Gieß Liebe in unser Herz!“

Musik 3

Nicht nur die Welt wird hell erleuchtet am ersten Schöpfungstag; Gott hat von diesem Licht auch einen hellen Schein in unser Herz gegeben. Als Liebe kann es in die Welt leuchten – wenn wir es zulassen.

Das ist für mich der eigentliche Sinn der Schöpfung: Gott schafft den Menschen als Bild Gottes. Gott sucht ein Gegenüber, das ihm antwortet. Der schöpferische Gottessturm, von dem die Bibel erzählt: das ist die Liebe. Mächtige, stürmische, göttliche Liebe. Liebe, die die Welt umarmt und keine Grenzen kennt. Strahlend übersetzt Gustav Mahler dieses Ereignis in Töne und Klangfarben.

Diese Liebe verändert die Welt: „Weit treibe den Feind von uns – hostem repellas longius! Und gib uns Frieden – pacem!“

Musik 3

So beschreibt Mahlers Musik unsere Welt: in brutaler Unruhe, mit schrillen Dissonanzen, Schreien angesichts der Feinde.

In derselben Unruhe und Verstörtheit erklingt nun die Bitte um den Frieden. Der Frieden ist nicht an einem anderen Ort – der Krieg ist der Ort, wo Frieden werden soll. Frieden ist, wenn die Waffen wirklich schweigen, die Feinde keine Feinde mehr sind. Wenn Gottes Liebe die ganze Welt erfüllt, alles in allem ist.

Das ist wahrer Friede. Komm, Schöpfer Geist – schaffe diesen Frieden in unserer Welt!

Im 8. Psalm heißt es: „Aus dem Mund der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen“: Deshalb sind es Kinder, die in Mahlers Hymnus das Gloria, den großen Lobgesang eröffnen. Wir dürfen einstimmen: „Ehre sei Gott in der Höhe!“

Musik 3

Einen gesegneten Pfingstmontag wünscht Ihnen Christian Hartung aus Kirchberg im Hunsrück von der evangelischen Kirche!

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Musikangaben:

Titel / Lied: Veni creator spiritus (Gustav Mahler, 8. Symphonie)
Komponist:
T: Hrabanus Maurus (9. Jh.); Martin Luther (1524; EG 126)
M: Kempten um 1000; Gustav Mahler

Musikquellen

  • Musik 1: Veni, creator spiritus Hymnus zum Heiligen Geist; Asperges me - Lateinische Gesänge der Liturgie; Unbekannt; Unbekannt; Wasserfaller, Thomas; Schola der Stiftsmusik St. Peter Salzburg; Kircher, Armin
  • Musik 2: Komm, Gott Schöpfer, heiliger Geist (Strophe 1, 4, 6, 7) (Auszug); Luthers Lieder; N. N.; N. N.; Schneider, Arno; Bresgott, Klaus-Martin; Athesinus
  • Musik 3: Sinfonie Nr. 8 Es-Dur für 8 Vokalsolisten, 2 gemischte Chöre, Knabenchor und Orchester; Gustav Mahler - 8. Sinfonie; Mahler, Gustav; Goethe, Johann Wolfgang von; hr-Sinfonieorchester; Järvi, Paavo
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44475
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