SWR3 Gedanken

27MAI2026
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Eine Geige ist schon ein Kunstwerk. Gebaut aus unterschiedlichem Holz, vier Saiten aus Stahl oder Kunststoff, ein Bogen mit Rosshaaren. Und im Zusammenspiel mit dem Musiker oder der Musikerin entstehen wunderbare Töne. Töne, die die Seele berühren. Die Saiten schwingen und der Boden der Geige ermöglicht Resonanz, ist Resonanzboden. Er nimmt die Schwingungen auf und trägt sie weiter, schenkt ihnen Klang.

Wenn nicht alles gemeinsam schwingt, gibt es keinen Klang. Dann ist die Geige kein Kunstwerk mehr, sondern die Musikerinnen und Musiker erzeugen nur fürchterliches Kratzen und Jammern.

Ich finde, dass das bei  uns Menschen genauso ist. Wenn wir einander Resonanzboden sind, dann kann etwas schwingen und klingen. Wenn wir das nicht sind, dann gibt es nur Misstöne und sogar Streit.

In der Bibel gibt es eine Empfehlung, wie wir füreinander Resonanzböden sein können. Paulus hat sie aufgeschrieben: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander.“ (Römer 12,15f.)

Wenn die Freude der anderen bei mir einen Resonanzboden findet, dann freue ich mich mit und die Freude wird noch größer. Wenn die Tränen der anderen bei mir einen Resonanzboden finden, dann weine ich mit, wir teilen das Leid und es wird kleiner. Und genauso kann das dann auch bei meiner Freude und meinen Tränen sein. Wenn wir das schaffen, dann sind wir wirklich eines Sinnes untereinander.

Ich finde das ist ein schönes Bild: Wir alle sind  Kunstwerke und klingen gemeinsam, wenn wir aufeinander achten, Freude und Tränen teilen und einander Resonanzböden sind.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44471
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