SWR4 Abendgedanken

27MAI2026
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Elke Heidenreich erzählt in ihrem Buch „Alles kein Zufall“ von einer Aktion von zwei Freunden von ihr. Ich lese es ihnen mal vor: 

„Vor Jahren machten zwei befreundete Künstler, ein Musiker und ein Maler, in Köln auf dem Domplatz eine Performance, eine künstlerische Aktion, sie hieß: „Küssen und Schlagen“. Sie küssten sich immer etwa ein, zwei Minuten, dann schlugen sie sich. […] Die Menge sah zunächst fasziniert zu, dann wurden erste Protestrufe laut: „Ihr Schwuchteln!“, (…) „Das sollte verboten werden!“. Schließlich kam es zu Handgreiflichkeiten. Aber nur bei den Küssen, nie bei den Schlägen.“ [1]

Da küssen sich zwei Männer. Und die Menschen drumherum ertragen es nicht. Schlagen dürfen sich die zwei. Das ist vertraut. Aber dass zwei Männer sich lieben, das ruft Widerspruch hervor. Warum?

Ja, auch in der Bibel gibt es Aussagen, die sich gegen homosexuelle Handlungen aussprechen. Und das hat böse Folgen in der Geschichte unserer Kirche gehabt. Aber da muss man genau hingucken: Diese Aussagen haben nämlich historische Gründe hat. Geheiratet hat man damals zum Beispiel vor allem deshalb, weil Mann und Frau aufeinander angewiesen waren. Ihre Kinder mussten sie versorgen, wenn sie alt wurden. Es ging darum, versorgt zu sein, keine Not leiden zu müssen. Mit Liebe hatte das vermutlich selten etwas zu tun. Aber so, und leider ausschließlich so, funktionierte die Gesellschaft damals. Und das hat sich eben auch in manchen biblischen Texten niedergeschlagen.

Für mich sind darum andere Stellen in der Bibel viel, viel wichtiger. Zum Beispiel heißt es im ersten Brief des Johannes: „Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1.Joh 3,18). Da schwingt für mich die ganze Botschaft Jesu mit: Er hat sich den Ausgeschlossenen zugewandt, er hat gezeigt, was es heißt, aus vollen Herzen Menschen zu lieben und sie mit Respekt so anzunehmen, so wie sie sind. Gegen diese Grundlinien des Christentums kommen für mich die paar homophoben Stellen in der Bibel nicht an. Sie sind im Vergleich dazu schlicht unwichtig.

„Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. “Wenn ich das höre, dann ist für mich klar: Liebt! Liebt! Voller Respekt füreinander. Aber: Egal wen. Denn wo Liebe ist, da ist Gott. Was kann es Besseres geben?

 

[1] Elke Heidenreich, Alles kein Zufall – Kurze Geschichten, Fischer Taschenbuch 2017, S. 87.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44455
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