SWR4 Abendgedanken

26MAI2026
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Elke Heidenreich beschreibt in ihrem Buch „Alles kein Zufall“ einen Tag, an dem für sie alles grau scheint. Und sie beschreibt, wie sie aus diesem Grau in Grau gerettet wird. Ich mag diese kleine Geschichte. Ich lese Ihnen mal ein Stück daraus vor[1]:

„Ein besonders grauer Tag. Besonders viel geht schief. Nur Kleinigkeiten, aber es sind ja nicht die ganz großen Katastrophen, woran wir zerbrechen, es sind die Kleinigkeiten. Aus den ganz großen Katastrophen erwächst uns Kraft, wir halten durch, sind tapfer, wie wir es immer gelernt haben. Aber diese grauen tückischen Tage voller kleiner Enttäuschungen und Niederlagen, die zersetzen uns, und hilflos wissen wir nicht, wie wir dem gegensteuern können: dem Gefühl von Verlust, Trauer, Schwäche.“

Was Elke Heidenreich da beschreibt, kenne ich gut. Tage, an denen einfach nichts klappen will. Ich sowieso schon angespannt bin. Und dann der Moment, die Kleinigkeit, die das Fass zum Überlaufen bringen. Ein Moment der Unaufmerksamkeit, ein Glas zersplittert in tausend Scherben auf dem Küchenboden und ich könnte nur noch heulen. Das hat mit dem Glas gar nichts zu tun. Aber es war der Splitter zu viel, die eine kleine Niederlage, an der ich zerbreche.

Ein besonders grauer Tag… Und wie kommt man da wieder raus?

Mir hilft manchmal: Schlafen. Ganz viel schlafen. Oder rausgehen. In den Wald. Übers Feld. Andere brauchen an so einem grauen Tag vielleicht eher Party. Sich austoben. Irgendwie den Frust loswerden, ihn irgendwo lassen und hoffentlich loslassen können. Manchmal hilft mir da auch ein Stoßgebet, ein Seufzer in Richtung Himmel!

Auch Elke Heidenreichs Geschichte endet nicht mit dem Grau in Grau. Auch sie hat einen Tipp. Und auch sie greift auf das Stoßgebet zurück. Hören Sie selbst:

„Hilflos wissen wir nicht, wie wir (…) gegensteuern können (…). Gelegentlich auf das Wasser blicken […] Ein Spaziergang am Rhein hilft [mir] meistens, er fließt und trägt Tristesse mit sich fort in die graue Nordsee. Der Gang zum Rhein aber ist fast zu schwer heute (…). Die Stufen zum Ufer hinunter, heute kaum zu bewältigen. Tränen. Verzweiflung bis zur Atemlosigkeit, die Bitte aus der Kindheit, an wen auch immer: „Gib ein Zeichen, irgendein Zeichen, das ich verstehe!“ Ein Schiff fährt vorbei, ein großes Containerschiff, es kommt aus Holland und kämpft sich Richtung Basel. Es heißt Esperanza. Hoffnung. Ein Zeichen.“

 

[1] Elke Heidenreich, Alles kein Zufall – Kurze Geschichten, Fischer Taschenbuch 2017, S. 68f.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44454
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