Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Wie man mit Hilfe der Computertastatur beten kann, habe ich im Internet gelesen.
In vielen Religionen gibt es Hilfsmittel, um zu beten. Im Christentum zum Beispiel den Rosenkranz. Oder im Judentum die Gebetsriemen, die sich Gläubige um den Arm binden. Aber die Computertastatur ist natürlich schon etwas ungewöhnlich. Und doch kann sie mir wirklich ganz gut dabei helfen, den Alltag zu unterbrechen. Das geht so:
Zuerst streiche ich über die Zahlenreihe oben auf der Tastatur und frage mich: „Wie geht es mir gerade?“ Die Neun steht für das beste Gefühl. Die Eins für das schlechteste. Manchmal weiß ich sofort, wie es mir geht, manchmal brauche ich einen Moment und wandere mit dem Finger hin und her, bis ich eine Zahl gefunden habe. Dann suche ich ein Wort für mein Gefühl. Nur eins. „Müde“ oder „angespannt“ oder „Vorfreude“. Das tippe ich und wenn ich das Wort geschrieben habe, drücke ich den Punkt. Punkt. So ist es grade mit mir, Gott.
Jetzt wandert mein Finger zur Leertaste. Die größte und längste Taste auf der Tastatur. Sie schafft Leerstellen. Und ich frage mich: Habe ich gerade genügend Raum in meinem Leben? Was füllt mein Herz, meinen Kopf? Und wonach sehne ich mich eigentlich?
Dann komme ich zur Steuerungstaste. Auf der Tastatur wird sie häufig mit Strg abgekürzt. Control heißt sie auch. Wie ist das grad mit mir und der Kontrolle? Am liebsten habe ich sie. Ich halte es nicht gut aus, wenn ich sie verliere. Wenn Termine mich treiben. Wenn ich nur noch reagiere statt selbst zu gestalten. Vielleicht wäre es manchmal gut, Kontrolle abzugeben. Andere machen zu lassen. Gott mehr zuzutrauen.
Ganz in der Nähe der Steuerungstaste ist die Shift-Taste. Das ist die mit dem Pfeil nach oben. Wenn ich diese Taste drücke, schreibe ich groß. Wie wäre es, mal wieder groß zu denken? Von mir selbst – und von anderen. Über mich hinaus. Mehr Vertrauen. Mehr Liebe. Mehr Hoffnung.
Und dann kommt die letzte Taste des Tastaturgebets: Ganz oben. Links. Die F1 Taste. In vielen Programmen ist das die Hilfetaste. Hier ruht mein Finger zum Schluss und ich überlege: was brauche ich wirklich? Jetzt gerade? Und das sage ich Gott.
Beten heißt mit Gott sprechen – und das geht einfach sehr gut, indem ich mit mir selbst gut im Dialog bleibe. Und sei es mit Hilfe der Computertastatur.
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