SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

24MAI2026
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Ich lebe allein. Nicht, weil ich keine Menschen mag oder nicht mit anderen zusammenleben könnte. Im Gegenteil. Ich bin mit drei Geschwistern groß geworden, habe in WGs gelebt und bin gern unter Leuten. Ich treffe Freundinnen, gehe ins Konzert oder sitze nach der Chorprobe noch mit anderen in der Kneipe. Und ich mag eben auch das Alleinsein. Nach Hause kommen und dort einfach meine Ruhe haben. Tun und lassen können, wonach mir gerade ist.

Natürlich gibt es Momente, in denen ich mich einsam fühle. Momente, in denen ich mir jemanden wünsche, der mit mir den Alltag meistert. Der daran denkt, dass endlich eine Lampe aufgehängt werden müsste oder der Wasserkocher entkalkt gehört. Oder jemand, der mich nach einem anstrengenden Tag einfach in den Arm nimmt. Aber diese Momente sind seltener als andere vielleicht denken. Meistens fühle ich mich in meinem Leben allein ziemlich wohl.

Lange Zeit hatte ich trotzdem das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Vor anderen und vor mir selbst. So, als wäre das Alleinleben nur eine Übergangsphase. Bis irgendwann „der Richtige“ kommt. Doch dann habe ich gemerkt: Es bringt nichts, mein Single-Leben mit anderen Lebensformen zu vergleichen. Oder gar gegeneinander auszuspielen. Menschen sind verschieden. Und Lebenswege verlaufen oft anders, als man sie sich einmal vorgestellt hat. Deshalb gibt es ganz unterschiedliche Arten zu leben: Familien mit Vater, Mutter und Kindern. Patchwork-Familien. Paare ohne Kinder. Alleinerziehende. Wohngemeinschaften. Mehrgenerationenhäuser. Geschwister, die zusammenwohnen. Und Menschen wie mich, die allein leben – freiwillig oder weil das Leben es so mit sich gebracht hat.

Entscheidend ist für mich nicht, wie Menschen leben. Sondern ob sie verbunden sind mit anderen. Ob sie Menschen haben, die ihnen guttun. Freundschaften. Nachbarinnen. Kollegen. Familie. Menschen, die zuhören und sich mit mir freuen – auch über Kleinigkeiten. Und die da sind, wenn es mal nicht so rund läuft.

Genau das hat für mich mit Pfingsten zu tun. In der Bibel heißt es, dass Gott seinen Heiligen Geist schickt – einen Geist, der Menschen miteinander verbindet. Der Verständnis wachsen lässt, trotz aller Unterschiede. Der hilft, ehrlich, friedlich und liebevoll miteinander umzugehen.

Vielleicht ist das die eigentliche Frage: nicht, ob jemand allein lebt oder nicht. Sondern aus welchem Geist heraus wir leben. Denn wo Menschen einander offen und liebevoll begegnen, da ist niemand wirklich allein.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44435
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