SWR1 3vor8

17MAI2026
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Manchmal fühlt sich das Leben an wie ein Wartesaal. Etwas ist zu Ende gegangen – und das Neue hat noch nicht richtig begonnen.
So geht es gerade Debora, bei der ich Gesangsunterricht habe. Sie hat ihr Musikstudium abgeschlossen. Hinter ihr liegen intensive Monate voll mit Üben, Prüfungen und Lampenfieber. Jetzt ist sie erst einmal erleichtert. Und stolz darf sie auch sein. Aber gleichzeitig steht die große Frage im Raum: Wie geht es weiter? Ein paar kleinere Jobs hat sie schon. Doch bis sie wirklich von ihrer Musik leben kann, wird es dauern.

Solche Zwischenzeiten entstehen öfter als man denkt: z.B. beim Schulabschluss, nach einem Umzug, nach einer Krankheit. Nach dem Ende einer Beziehung oder mitten in einer beruflichen Neuorientierung.

In der Bibel gibt es ebenfalls so eine Zwischenzeit. In dem Abschnitt aus der Apostelgeschichte, der heute in katholischen Gottesdiensten zu hören ist, sitzen die Freunde Jesu in einem Haus in Jerusalem zusammen. Es war so viel los: Jesus ist gestorben und auferstanden. Und nach seiner Himmelfahrt ist er wohl endgültig nicht mehr bei ihnen. Sie wissen noch nicht, wie ihre Zukunft aussehen wird. Doch anstatt auseinander zu laufen, bleiben sie zusammen. In der Bibel heißt es: „Sie alle verharrten (…) einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“ (Apg 1,14) Sie haben so viel miteinander erlebt, und auch jetzt halten sie die Zeit miteinander aus. Sie tun nicht so, als müssten sie sofort Antworten haben. Sie beten. Sie warten.

Das klingt zunächst passiv. Aber vielleicht braucht es manchmal genau das: eine Zwischenzeit aushalten, in der scheinbar nichts passiert. Nicht sofort in Aktionismus verfallen und jede Leerstelle sofort füllen. Und auch nicht krampfhaft nach schnellen Lösungen suchen. Denn manches wächst langsam.

In der Landwirtschaft kennt man das Bild der Brache. Ein Feld wird bewusst eine Zeit lang nicht genutzt, damit der Boden neue Kraft sammeln kann. Damit später wieder etwas wachsen kann. Ich hatte in meinem Leben auch schon solche Brachzeiten. Zeiten, in denen ich unsicher war und mehr Fragen als Antworten hatte. Aber es ging weiter und irgendwann habe ich gemerkt: da ist ja doch einiges passiert.

Für meine Gesangslehrerin Debora bedeutet das vielleicht: weiter üben, Kontakte knüpfen, kleine Konzerte geben – und gleichzeitig akzeptieren, dass der eigene Weg Zeit braucht. Und vielleicht liegt gerade darin Hoffnung: Dass Neues oft leise beginnt. Nicht mit einem großen Knall, sondern in einer Zeit des Wartens.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44434
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