Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

18MAI2026
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Seine Lieder haben mich mein ganzes Leben lang begleitet; jetzt ist er 70 geworden und wirkt noch kein bisschen müde: Herbert Grönemeyer. Zwölf Jahre älter als ich, deutlich jünger als meine Eltern – ein guter Lebensbegleiter. Ich war gerade konfirmiert; da kam sein Album „Bochum“ heraus, und obwohl ich den Ruhrpott nicht kannte, konnte ich die Zeile „Du bist keine Schönheit“ aus vollem Herzen mitsingen. Ich bin in Pforzheim aufgewachsen, und dieser Stadt klebt auch das Image an, nix Besonderes zu sein. Der Song „Bochum“ hat da Mut gemacht: Nicht aus einer Weltstadt zu kommen, musste kein Nachteil sein. Und Schönes gibt es überall zu entdecken; es muss nicht immer offensichtlich sein.

Dann kamen die 90er, und Grönemeyer hat einer ganzen Generation die Männer so ins Herz gesungen, wie wir sie haben wollten: verletzlich und unersetzlich, furchtbar stark und auf der Suche nach Zärtlichkeit, ehrlich und selbstkritisch. Außen hart und innen ganz weich. Und dann grätscht auch bei diesem Mann das Leben dazwischen oder besser gesagt der Tod. Seine Frau Anna wird schwer krank, und innerhalb von wenigen Tagen sterben sie und sein Bruder Wilhelm an Krebs. Um Herbert Grönemeyer wird es still. Aber dann wird auch aus diesem Schmerz ein Lied. Unzähligen Menschen wird es zu einem treuen Trauerbegleiter; oft gespielt bei Beerdigungen: „Hast jeden Raum mit Sonne geflutet, jeden Verdruss ins Gegenteil verkehrt. Hab dich sicher in meiner Seele, trag dich in mir bis der Vorhang fällt.“

Ja, er hat ein Gespür für Menschen, dieser Grönemeyer, und so heißt auch sein wohl bekanntestes Lied Mensch: „Und der Mensch ist Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt, weil er wärmt, wenn er erzählt, und weil er lacht, weil er lebt, weil er irrt, und weil er kämpft, und weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt.“ Dieses Lied ist sein Vermächtnis, aber noch ist er ja da, der Mensch Herbert Grönemeyer. Ein unermüdlicher Zuversicht-Verbreiter, Hoffnungs-Weiterträger, ein unverbesserlicher Nicht-Schwarzmaler. Möge er uns noch lange erhalten bleiben. Auf Dich, Herbert Grönemeyer! Glück und Segen!

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