Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Gerade läuft die Doku-Serie In höchster Not über die Bergwacht in den bayerischen Alpen. Da werden ehrenamtliche Kräfte bei ihren Einsätzen begleitet. Die sind oft spektakulär – und oft haben sie damit zu tun, dass Menschen einfach leichtsinnig oder unvorbereitet unterwegs sind. Die Bergretter aber bleiben erstaunlich cool. Die Rettung steht im Vordergrund. Warum jemand in Not kommt, das ist erstmal egal.
Aber einer der ehrenamtlichen Bergretter sagt ein paar Sätze, die bei mir nachklingen. Er sagt: „Es gibt eine Grundeinstellung. Die ist modern. Dass man alles erreichen kann, was man will. Nur interessiert das den Berg nicht. Es gibt Situationen, da kann der Wille noch so stark sein, die äußeren Umstände lassen nicht zu, was man will.“
Ich erlebe das auch so. Da gibt es diese Idee: Wenn du was willst, dann kannst du das auch schaffen. Die Kehrseite dieser Überzeugung: Wenn ich was nicht erreiche, dann kanns ja nur an mir liegen. Dann habe ich mich halt nicht genug angestrengt.
Die Bergretter öffnen den Blick auf eine andere Sichtweise. Sie erleben: Auch der größte Wille stößt an seine Grenzen. Denn in den Bergen, da hängt es nicht nur von mir ab. Da muss ich mich bestimmen lassen: Vom Weg, vom Wetter oder auch der von Tagesform. Berge, das habe ich selbst schon im Urlaub erlebt, machen demütig. Sie zeigen mir: Ich selbst bin abhängig von vielem anderen. Kann nicht alles, was ich will oder mir vornehme. Berge machen mir deutlich: Ich muss genau prüfen, was in bestimmten Situationen gefordert ist. Mich fragen: Was kann ich eigentlich leisten? Gehe ich Wege, die zu mir passen? Habe ich die richtigen Schuhe, ausreichend Verpflegung, neue Karten, guten Empfang?
Das ist eine Weisheit auch jenseits der Berge: Nur Wollen reicht nicht. Ich muss auch meine Grenzen akzeptieren – und muss bereit sein, zu sehen, was in einer Situation wirklich angebracht ist.
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