Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Heute also: die »Kalte Sophie«. Die letzte der fünf Eisheiligen.
Eisheilige, damit werden einige Tage mitten im Mai bezeichnet. An denen werden die Feste von fünf Heiligen gefeiert: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius – und den Abschluss bildet Sophie. Noch heute feiern manche Menschen an diesen Tagen ihren Namenstag, wenn sie etwa Sophia oder Sophie heißen.
Die Eisheiligen waren vor allem in bäuerlichen Regionen gefürchtet. Immer wieder sorgten Frostnächte Mitte Mai für Missernten und Hunger. Der Grund: Trotz milder Temperaturen kann kalte Polarluft nach Mitteleuropa strömen. Das sorgt dann für Bodenfrost – der Tod für junge Pflanzen.
Viele bäuerliche Regeln kreisen deshalb um diese Tage: Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost. Oder: Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist. Oder: Pflanze nie vor der Kalten Sophie.Die Kalte Sophie macht alles hie.
Die kalte Sophie, das ist wohl Sophia von Rom. Eine Frau aus dem vierten Jahrhundert, die als Christin von den Machthabern hingerichtet wird. Sophia ist aber auch der griechische Begriff für Weisheit. Und Weisheit ist vor allem eine Kunst, das richtige Maß zu finden. Zwischen Verschwendung und Gier und Überheblichkeit einerseits und Furcht und Angst und Trauer andererseits. Weisheit, das ist ein Gegenmittel gegen die Extreme des Lebens. Extreme, wie sie manchmal auch an den Eisheiligen zu beobachten sind: Warme Frühsommertage und junges Grün und dann Nachtfrost und absterbende Pflanzen. An den Eisheiligen kann ich Weisheit lernen. Zwischen den Extremen einen Weg finden. Für ein gutes Leben zwischen Sommerwärme und Eiszeit.
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