SWR1 3vor8
Ich weiß nicht, ob Sie das schon erlebt haben: So einen Gänsehautmoment, wenn man das Gefühl hat, mit den anderen um einen herum verbunden zu sein – im gleichen Rhythmus, der gleichen Stimmung. Auf einem Konzert vielleicht oder auch im Stadion? Ich kenne das vom Singen im Chor: Wenn man probt und probt und dann – plötzlich - nicht mehr 20 oder 30 Einzelstimmen hört, sondern sich ein großer Klang ergibt. Solche Momente bleiben etwas Besonderes.
Es ist etwas Besonderes, so untereinander verbunden zu sein: wenn man förmlich spürt, wie man mit den anderen um einen herum zu einer richtigen Einheit wird. Eine Einheit, die jeden einzelnen darin trägt. Und die wünscht sich auch Jesus für seine Anhängerinnen und Anhänger. Im Gottesdienst an Christi Himmelfahrt heute erzählt eine Bibelstelle davon: Von seinem Wunsch, dass aus den vielen einzelnen Gläubigen eine starke Einheit wird. Jesus betet für seine Freunde und bittet darum:… 21dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.
Alle, die glauben verbunden und eins mit Gott dem Vater und Jesus. Das klingt wunderbar und erinnert mich an meine Erfahrung vom Singen. An diese Gänsehautmomente, wenn unsere Stimmen zu etwas Größerem verschmelzen – und trotzdem singen wir nicht immer alle das gleiche. Bass, Tenor – Alt und Sopran singen jeweils ihre eigene Linie. Und alle bringe die verschiedensten Töne ein, die in Akkorden zu einem schönen Gesamtklang verschmelzen. Eins werden, das geht auch ohne Gleichmacherei oder Einheitslösung.
Ja, Chorsingen wäre gerade zu langweilig, wenn alle immer den gleichen Ton singen würden. Die vielen verschiedenen Töne zusammen ergeben einen neuen Klang. Und trotzdem braucht es etwas, dass die Sängerinnen und Sänger eint. Wenn alle einfach wild einen beliebigen Ton singen, dann entsteht Chaos, ein undefinierbarer Brei aus Tönen, der nicht schön klingt.
Erst durch die gemeinsame Vision, einen Plan – in dem Fall die Noten, denen die Sänger folgen, entsteht etwas Schönes.
Im vielstimmigen Chor der Christinnen und Christen ist Jesus so etwas wie der Dirigent und er hat den Menschen durch sein Leben und seine Worte eine Partitur gegeben. Wir müssen nicht alle die gleiche Stimme singen – nein, es ist sogar für den Gesamtklang besser, wenn es unterschiedliche Stimmen gibt. Durch die gemeinsame Vision vom Reich Gottes, da kann aus den verschiedenen Stimmen, ein geeinter Chor mit Orchester werden. Gänsehautmomente.
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