SWR3 Gedanken
„Das wird schon wieder.“
Und: „Die Zeit heilt alle Wunden.“
Oder: „So ist das Leben.“
Das sind Sätze, die man so oder anders zu hören bekommt, wenn ein lieber, nahestehender Mensch gestorben ist. Phrasen, die einem in so einer Situation eher hohl vorkommen.
Wobei man auch sagen muss: Unsere Gesellschaft macht es uns nicht leicht, die richtigen Worte der Anteilnahme zu finden. Über Krankheit, Sterben, Tod reden wir kaum. Nur: Dem aus dem Weg zu gehen, ist auch nicht besser. Und so seltsam es klingen mag: Vielleicht ist manchmal Schweigen sogar die beste Lösung. Warum?
In der Bibel wird von einem Mann mit Namen Hiob erzählt. Hiobs Familie stirbt, er verliert all seinen Besitz, er wird krank. Interessant ist, wie seine Freunde reagieren:
„Drei Freunde Hiobs hören von all dem Unglück, das ihn so schlimm getroffen hatte. Sie kamen zu ihm. Sie wollten ihm ihr Mitgefühl zeigen und ihn trösten. Jeder von ihnen zerriss sein Gewand und streute sich Staub auf den Kopf. Dann setzten sie sich zu ihm auf die Erde. Sieben Tage und sieben Nächte saßen sie da und sprachen kein einziges Wort. Denn sie sahen, wie heftig sein Schmerz war.“ (Hiob 2,11ff)
Ich glaube, wir können von Hiobs Freunden eine Menge lernen.
Sie kommen zu ihm.
Sie trauern mit ihm und sind solidarisch.
Sie hocken sich zu Hiob in den Dreck und halten einfach mal den Mund, halten die schreckliche Situation aus. Keine Fragen, keine abgedroschenen Phrasen, keine Ratschläge. Sie nehmen Hiobs Leid ernst und halten ihre eigene Hilflosigkeit aus. Sie schweigen, aber gehen dem Tod nicht aus dem Weg. Vielleicht ist das der größte Trost.
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