SWR3 Gedanken

11MAI2026
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Ist das Behörden-Wahnsinn? Meine Freundin Anna ist Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Kirchengemeinde in Nigeria.

Nun beschloss diese Kirchengemeinde, sich einen Namen zu geben. Bis dato hieß sie ganz einfach: deutschsprachige evangelische Kirchengemeinde von Nigeria. Und so wählte sich die Kirchengemeinde den Namen „Martin-Luther-Kirchengemeinde“. Meine Freundin Anna bat die nigerianischen Behörden also um eine Namensänderung. Ein paar Wochen später bekam sie Antwort: Kein Problem. Man solle lediglich eine eidesstattliche Erklärung von Herrn M. Luther nachreichen, dass er damit einverstanden ist, wenn man seinen Namen benutzt. Meine Freundin Anna schrieb ebenso freundlich an die Behörde zurück: Herr M. Luther sei leider seit nunmehr fast 500 Jahren tot, er würde mit Sicherheit keine Einsprüche mehr erheben. Damit war der behördliche Vorgang beendet.

Meine Freundin Anna und ich aber fanden die Frage berechtigt: Wäre Martin Luther damit einverstanden, dass unzählige Kirchengemeinden und noch mehr Kirchengebäude nach ihm benannt sind?

Martin Luther hat 1517 sein Nein gesprochen gegen die Missstände seiner Kirche. Er war überzeugt, dass Bischöfe und Päpste auch nur Menschen sind, dass jeder Christ vor Gott gleich ist. Heiligenverehrung lehnte er ab – gewiss, Heilige können Vorbilder sein, aber letztendlich sind wir alle nur Menschen. Genauso wie Martin Luther selbst.

Wie ich mir das vorstelle, wäre das Martin Luther vielleicht zu viel, dass so viele Gebäude und Kirchengemeinden nach ihm benannt sind. Vielleicht würde er fordern: Stellt doch das, für was ich mich eingesetzt habe, in den Mittelpunkt: Gnade etwa oder Barmherzigkeit. Oder Frieden. Ich glaube, das wäre ganz im Sinne Martin Luthers.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44390
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