Begegnungen

10MAI2026
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Martin Heubach Foto: privat

Pfarrerin Barbara Wurz und trifft heute Diakon Martin Heubach: Diakon im Ruhestand – ehrenamtlich nach wie vor stark engagiert…

Während wir uns unterhalten, merke ich schnell: So ganz trifft es das nicht. Martin Heubach ist nicht der Typ, der einen Beruf hat – sondern eher eine Berufung. Und er ist auch nicht einfach engagiert – sondern lebt, was er glaubt – als Christ. Eine Lebenshaltung, die ihn weit hat herumkommen lassen - viel weiter, als seine Familie das zu Beginn gedacht hätte:

Ich war ein ganz schlechter Hauptschüler und mein Vater hat immer gesagt gehabt: „Aus dir wird mal nix.“ Weil ich nicht gelernt habe, und weil mir alles andere wichtig war. Zum Beispiel mit zehn hab immer erst Mopedle gekriegt - eine Quickly - und die konnte ich auseinander bauen und wieder zusammen und bin Gelände gefahren, bis ich dann Schrott gefahren habe.

Das Motorrad sollte später wieder eine wichtige Rolle in seinem Leben bekommen. Doch zunächst hat Martin Heubach Elektromechaniker gelernt. Und ging mit seiner Volljährigkeit als Zivildienstleistender zum evangelischen Jugendwerk.

Und während diesem Zivildienst im Jugendwerk habe ich so für mich den Ruf des Himmels erfahren; Geh aus seinem Vaterland in ein Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich - obwohl aus dir nichts wird - zum Segensträger machen.

Geh aus deinem Vaterland – das ist ein Wort aus dem Alten Testament der Bibel. Und bedeutet für Martin Heubach: verlasse die üblichen oder scheinbar vorgezeichneten Wege – und folge dem Ruf: Anderen zum Segen zu werden.

Meine Leidenschaft gilt denen, die nicht in die Kirche kommen, (…) und die kann ich dort treffen, was meine Leidenschaft ist. (…) Über Sachen, die mir Spaß machen und da wo ich brenne, da kann ich auch Leute zum Brennen bringen.

Und eine seiner Leidenschaften ist Motorradfahren. Den Helm aufsetzten, den Motor starten und dann …

… eben den Wind, die Geschwindigkeit, die Kurven, die Landschaft, die anderen Menschen, die mitfahren: Das ist für mich ein Hauch vom Himmel.

Auf der Straße begegnet man sich. Und weil Martin Heubach der Meinung ist, dass Kirche dort stattfinden muss, wo das Leben stattfindet, engagiert er sich im Arbeitskreis „Motorrad und Kirche“ für die Motorradgottesdienste in ganz Baden-Württemberg. An Christi Himmelfahrt am kommenden Donnerstag zum Beispiel, da finden um 10 Uhr gleich zwei statt: der eine beim Hessigheimer Dreschschuppen, der andere in Bad Überkingen. 

 

Mit anderen ins Gespräch zu kommen - ihnen abzuspüren, ob sie etwas erzählen wollen oder ob sie etwas auf dem Herzen haben -  und dann den Raum dafür zu geben, das ist die Segensgabe von Martin Heubach. Auch früher schon, als er als Seelsorger auf der Stuttgarter Messe gearbeitet hat.

Und dann hat eben einer gesehen, wenn einer Namensschild hat, dass sie mir ja der will nichts kaufe, sondern mich irgendwo auf der Messe. Und dann sagte er: „Wissen Sie, eigentlich wollte ich jetzt grad lieber bei der Beerdigung von meinem Freund Vater, der sich das Leben genommen hat, sein. Aber ich kann es nicht, weil ich hier auf der Messe gebunden bin.“

Ob es nun die Gespräche auf der Stuttgarter Messe gewesen sind oder die auf der Straße beim Motorrad-Fahren: Es sind die zentralen Fragen des Lebens, die bei Martin Heubach immer mitschwingen.

Hast du für dich geklärt: Wo komme ich her? Bin ich, weil meine Eltern nicht aufgepasst haben? Ungewollt? Oder bin ich ein von Gott geschaffenes und gewolltes Kind? (…) Die zweite Frage heißt: Warum lebe ich? (…) Neulich hat man in Lastwagenfahrer erzählt: Na ja, dass eben die Menschheit erhalten bleibt, das ist mein Sinn des Lebens. Oder dass ich ein schönes Häusle habe oder mit meine Kinder protzen kann… Das ist für mich zu wenig. Wenn ich da ein Sinn habe, anderen helfen zu könne, anderen die Augen aufzumachen, dass es mehr gibt im Leben.

Und die dritte grundlegende Frage des Lebens: Was kommt, wenn das Leben endet?

Dafür bürgt die Bibel und das glaube ich auch: Es geht weiter, mit einer Identität „Martin Heubach“.  Ja (…) Ist doch anders, wie wenn ich sage muss: Puh, ja vielleicht, oder ich weiß nicht... Oder es ist alles aus. Also für mich wäre ein Leben, das im Sterben endet, unerträglich und bin erstaunt, wie das Menschen so übergehen und für sich nicht beantworten.

Martin Heubach lebt seinen Glauben und fühlt sich getragen von Gott. Das spürt man deutlich. Regelmäßig bietet er deshalb auch für Motorradfahrer Spirit-Touren an: Gemeinsam auf schönen Strecken unterwegs und mit Impulsen für die Seele.

Und dann waren wir mit zehn Leuten in der sieben Kapellen Tour im Donau Ried unterwegs. Und dann hat einer anschließend geschrieben: „Ich habe wieder was Positives von der evangelischen Kirche mitbekommen: Große Brise, Hauch vom Himmel mit dem Moped erfahren.“ Ist doch klasse!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44387
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