Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
In Ellwangen ist gerade das Paradies auf Erden – zumindest kann ich mir vorstellen, dass es so aussehen könnte: Tausende Blumen blühen in wunderschön angelegten Beeten, kunstvoll gestaltete Wege, Sitzplätze am Wasser und Spielplätze für Kinder. Vor kurzem hat die Landesgartenschau in Ellwangen eröffnet, im Osten von Baden-Württemberg. Gartenschauen oder -ausstellungen ziehen traditionell immer viele Leute an; mich auch.
Aber warum ist das so, was zieht uns da an? Vielleicht steckt die Antwort genau in diesem Wort, Paradies. Das kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie: eingezäunter Garten. Ein Ort also, der umhegt ist und geschützt.
In der Bibel spielt der Garten eine wichtige Rolle. Da wird erzählt, dass die Anfänge der Menschheit in einem Garten liegen, im Garten Eden. Da, wo noch alles harmonisch ist; zwischen Gott, den Menschen und der Natur. Auch im Neuen Testament taucht der Garten immer wieder auf: Jesus wurde in einem Garten beigesetzt und ist dort auferstanden. Der Garten wird also vom Ort des Todes zu einem Ort, in dem wieder neues Leben möglich ist. Und dass Maria Magdalena den auferstandenen Jesus zunächst für den Gärtner hält, das ist kein Zufall. Das symbolisiert: Jesus ist derjenige, der Menschen von Neuem aufblühen lässt.
Einer meiner Lieblingsorte auf der Ellwanger Gartenschau ist der Kreuzgang der Basilika. Da werde ich gar nicht fertig mit schauen und staunen - über so viel Schönheit und Ästhetik: Dort gibt es alle zwei Wochen eine neue Blumenschau mit grandiosen Arrangements und Gestecken der Floristen. Zum Beispiel diese hier: Rote Orchideen schmücken ein zylinderförmiges Weidengeflecht, eine watteweiche Schale, die wie eine Wolke aussieht, birgt gelbe, orange und pinkfarbene Blüten. In der kommenden Woche heißt das Thema der Arrangements dann: „Himmelsschimmer – ein Hauch von Licht, Glauben und Leben“. Das klingt jedenfalls schon paradiesisch.
Mitten im Garten-Paradies in Ellwangen ist auch die Kirche zu finden. Genauer gesagt, der Kirchengarten. Wer danach sucht, muss nach einer großen, hölzernen Pilgermuschel Ausschau halten. In diesem Garten kann man sich ausruhen, einfach hinsetzen und innehalten. Unter einem großen Sonnenschirm. Eben wie eine Pilgerin oder ein Pilger, die unterwegs eine Pause brauchen. Bis Oktober gibt es dort jeden Tag einen Mittagsimpuls und am Wochenende ist Familienzeit im Kirchengarten. Denn das gilt es eben auch zu bedenken: Selbst im Paradies muss man zwischenrein einfach mal durchschnaufen.
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