SWR Kultur Wort zum Tag

07MAI2026
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Im Monat Mai wird in der kath. Kirche besonders Maria, der Gottesmutter gedacht – oder zumindest wurde ihrer besonders gedacht, in früheren Zeiten mit Maiandachten und festlich geschmückten Marienaltären.

Es waren vor allem Theologinnen, die in den letzten Jahrzehnten den Blick auf Maria geweitet haben: Denn mit einem sehr traditionellen Marienbild wurden oft alle anderen Frauen klein gemacht und klein gehalten.

Ein Beispiel: Am 25. März feiert die katholische Kirche das so genannte „Hochfest der Verkündigung des Herrn“. Das Fest nimmt Bezug auf den Beginn des Lukas-Evangeliums:

Maria begegnet dem Engel Gabriel, der ihr die Geburt Jesu ankündigt. Maria antwortet auf das, was ihr der Engel sagt mit „Es geschehe!“

Diese biblische Erzählung lässt sich ganz unterschiedlich lesen: Das „Es geschehe!“ wurde in der Geschichte immer wieder bemüht, um Frauen sittsam und gefügig zu halten.

In dieser Bibelstelle steckt aber auch eine revolutionäre Kraft. Denn das zeigt der Text schon in Stil und Struktur: Maria wurde als „Prophetin“ berufen; sie schickt sich voller Selbsthingabe, aber auch sehr selbstbewusst in ihre Aufgabe. Am Ende der Erzählung verkündet sie, dass Gott „die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht“.

Mich hat ein Vortrag begeistert, den die Theologin Elżbieta Adamiak vor Kurzem in der Katholischen Akademie in Freiburg gehalten hat; sie lehrt Theologie an der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, ist aber auch eine der bekanntesten und renommiertesten feministischen Theologinnen ihres Heimatlandes Polen.

Für Elżbieta Adamiak bezeugen die Marien-Geschichten der Evangelien eine große Kraft: Sie erzählen von einer jungen jüdischen Frau, die Mutter wird, aber eben auch von der ungeahnten Kraft, mit der Maria in der so genannten Verkündigungsszene mit dem Engel Gabriel ihre Entscheidung trifft.

Diese unbeschreibliche Kraft hat über Jahrhunderte Frauen, und auch Männer stark gemacht.

So passt das auch sehr gut mit dem Monat Mai als Marienmonat: Maria steht für die lebensbejahende Kraft des Frühlings oder umgekehrt: die lebensbejahende Kraft des Frühlings steht für Maria.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44360
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