SWR Kultur Wort zum Tag
Das Trierer MartinsKloster stammt aus dem Mittelalter; statt der Mönche leben im alten Gemäuer inzwischen Studentinnen und Studenten der Trierer Hochschulen. Ein Erweiterungs-Bau steht im Innenhof; und da gibt es jetzt eine ausdrückliche Erinnerung an den Namenspatron, eben den heiligen Martin. Martin von Tours war der römische Reiteroffizier, der ja seinen Soldatenmantel mit einem Bettler geteilt hat; danach ist er Christ geworden und schließlich Bischof von Tours an der Loire. In der damaligen römischen Hauptstadt Trier ist er wohl wenigstens zweimal gewesen – und hat von da vermutlich weniger gute Erinnerungen mitgenommen. Bischof Martin hat nämlich – das alles spielt im vierten Jahrhundert – versucht, dem römischen Kaiser in den Arm zu fallen. Die Bischofskollegen hatten den angeblichen Ketzer Priscillan angeklagt und auch schon verurteilt; der Kaiser sollte und wollte ihn hinrichten lassen. Martin fand das keine gute Lösung im innerkirchlichen Streit – den hätte er lieber ohne Gewalt beigelegt.
Bischof gegen Kaiser in der damaligen Hauptstadt Trier: das erinnert mich ein wenig an Papst Leo, der dem Präsidenten im Weißen Haus in Washington DC widerspricht. Dafür wird er unflätig abgekanzelt; dabei hat der Papst doch ganz recht, wenn er friedliche Lösungen fordert, möglichst ganz ohne Gewalt!
Der heilige Martin in Trier – daran erinnert also eine kleine Ausstellung im neuen Studi-Wohnheim im alten Kloster. Und macht es damit zu einem Haltepunkt auf dem Martinus-Weg, der von Szombately in Ungarn über viele Martins-Orte nach Tours führt – von Martins GeburtsOrt bis in seine BischofsStadt, quer durch Europa. Diese „via sancti Martini“ hat der Europa-Rat zur „Kulturroute Europas“ erhoben. Was der EuropaRat dazu online erklärt, klingt fast ein bisschen wie Predigt: „Die Sankt-Martin-Route steht für den Wert des Teilens, symbolisiert durch die wohltätige Tat des Heiligen…“ Und: „Tatsächlich ist das Teilen zu einer moralischen Notwendigkeit geworden, um die Menschheit angesichts der Herausforderungen zu bewahren, die mit Globalisierung, Bevölkerungsexplosion und Schädigung der Umwelt verbunden sind.“ Ganz ähnliches hält der Papst doch dem US-Präsidenten und allen anderen entgegen…
Heute feiert der Europa-Rat seinen Europa-Tag – erinnert an den „Vertrag von London“vom 5. Mai 1949. Mit dem großen Ziel, in ganz Europa die Menschenrechte zu schützen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu fördern und die zwischenstaatliche Völkerverständigung zu beflügeln.
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