SWR3 Gedanken

09MAI2026
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Meine Freundin ist krass – sie ist für mich das Paradebeispiel für den Feminismus. Sie ist stark und steht immer zu ihrer Meinung. Oder sagen wir fast immer. Denn jetzt hat sie mir was gestanden, sie sagt: „Ich packe das nicht immer. Manchmal hab ich einfach keine Lust mehr, die „Anstrengende“ zu sein.“ Ich frage nach und dann packt sie aus: „Weißt du, vor ein paar Tagen war ich echt mies drauf und dann hat mich mein Kollege gefragt, ob ich meine Tage habe. Sofort habe ich mich geärgert, aber gesagt -  habe ich nichts.“

Meine Freundin hat in dem Moment keine Energie mehr. Keine Lust mehr, wieder die zu sein, die „die Anstrengende“ ist. Sie ist das nämlich oft, aber langsam hat sie genug davon, dass wieder hinter ihrem Rücken die Augen gerollt werden und alle genervt denken „die schon wieder“.

Heute hätte Sophie Scholl Geburtstag. Sie ist in der Nähe von Heilbronn geboren und hat als junge Frau im Nationalsozialismus Flugblätter gegen das NS-Regime verteilt – gemeinsam mit der „Weißen Rose“. Dafür wurde sie verhaftet und hingerichtet. Sophie hat auch gezweifelt, aber sie hat auch fest an Gott geglaubt. Dass er sie hält, auch dann, wenn es hart auf hart kommt.

Sophie Scholl zeigt: Es kostet Kraft, den Mund aufzumachen – und gleichzeitig kann es anderen viel Kraft geben, wenn man zu dem steht, was man für richtig hält.

Und dann denke ich an meine Freundin. An diesen Moment, in dem sie nichts gesagt hat. Es geht nicht darum, immer mutig und perfekt zu sein. Aber es geht darum, sich nicht zu oft daran zu gewöhnen, den einfacheren Weg zu gehen.

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