SWR3 Gedanken
Tim ist gerade mal fünfzehn. Er steht lässig und selbstbewusst vor seiner Klasse und spricht...übers Scheitern. Ich bin Tim´s Lehrerin und kriege den Mund nicht mehr zu. Was ist das für ein starkes Thema! Das klingt erst mal nach Fehler, nach: ich hab´s verbockt. Wie peinlich!
Umso mutiger finde ich, dass Tim darüber spricht. Er hat selbst entschieden, dass er sich damit vor seine ganze Klasse stellt. Tim erklärt, dass Scheitern kein peinliches Ende bedeutet! Und man aus ganz unterschiedlichen Perspektiven schauen kann, was passiert, wenn was nicht gelingt. Tim erklärt: Wenn ein Journalist eine Reportage schreibt, steht Scheitern auf dem Tagesplan. Nicht jede Geschichte gelingt, nicht jeder Plan funktioniert. Aber es steckt immer eine Chance dahinter. Oder in der Psychologie: Scheitern ist kein Ausnahmezustand, sondern gehört dazu, um sich weiter zu entwickeln.
Und zum Schluss spricht Tim über den Glauben. Er meint: „Im Christentum ist klar: Ich bin vor Gott immer wertvoll, egal wie sehr es grad schief geht.“
Weil Tim so offen darüber spricht, geht jetzt auch in der Klasse das Gespräch los: Ein Schüler sagt leise: „Ich habe das Gefühl, mich hat sowieso schon jeder aufgegeben.“ Als Lehrerin halt ich die Luft anUnd jetzt sagt sogar die Einserschülerin: „Ich hab auch ständig Angst zu versagen.“
Wie mutig sind diese Jugendlichen! Sie reden miteinander und genau jetzt passiert was Entscheidendes. Sie sagen sich gegenseitig: „Mir geht´s manchmal genauso!“, da bekommt niemand ein „Loser“-Etikett. Sondern jeder hört: Egal, wie sehr du scheiterst, du darfst lernen! Und du gehörst dazu.
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