SWR4 Abendgedanken

07MAI2026
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Heute erzähle ich Ihnen von Unsicherheiten und Ängsten. Und von dem, was mir hilft, mit Ihnen zu leben. Seit ich denken kann, habe ich Angst. Das war schon als Kind so: Ich hatte Angst, die Freundin zu verlieren. Angst, schwer krank zu sein. Angst, früh zu sterben. Es gibt ein Foto von mir, auf dem diese frühe Angst gut zu sehen ist. Ich stehe sehr unsicher auf den neuen Rollschuhen, eingerahmt von Tante Erika und Onkel Gerhard, die mich rechts und links sicher an der Hand halten. Die Situation auf dem Bild ist typisch für mich. Rollschuhe, Schwebebalken oder Ski sind bis heute nichts für mich. Ich brauche festen Boden unter den Füßen. Und wenn ich den nicht habe, brauche ich irgendwie anders Halt.

Ich bin mit meiner Angst immer einigermaßen zurechtgekommen. Bis mich eine Krise in meinem Leben ganz aus der Spur geworfen hat. Mir hat nichts mehr geholfen, was ich bis dahin kannte. Keine Ablenkung. Keine Freundin. Auch nicht mein Glaube an Gott.

Ich habe Hilfe bei einer Therapeutin gesucht, die sich auskennt mit traumatischen Erfahrungen. Mit ihr habe ich entdeckt, welche Kraft innere Bilder haben können. Heilsame Vorstellungen meiner eigenen Fantasie. Eines dieser inneren Bilder ist ein vertrauter Ort geworden. Den kann ich jederzeit aufsuchen, wenn die Angst zurückkommt. Es ist ein Haus. Die Räume sind lichtdurchflutet und gemütlich. Sie strahlen Geborgenheit und Wärme aus. Ein sicherer Ort. Das Haus steht in einem Garten mit alten Obstbäumen. Ich sitze auf der Bank vor dem Haus, zusammen mit einer alten, gütigen und weisen Frau. Sie beschützt mich und ist für mich da.

Dieses Bild ist viel mehr als ein Bild. Es ist ein Teil meiner Seele. Unverletzt, heil. Es ist ein Ort in mir selbst, der heilig ist und an dem ich mich Gott ganz nahe fühle. Mich beeindruckt, dass ich inzwischen nicht mehr hilflos bin, wenn ich Angst habe. Ich habe jederzeit Zugang zu dieser Quelle. Ich nenne sie Quelle des Göttlichen. Sie verbindet mich mit den Psalmbetern aus dem Alten Testament. Sie sprechen von Gott als Ort ihrer Zuflucht. Als Fels in der Brandung, als sichere Burg, der sie in aller Not und Verzweiflung hält und beschützt. Mein Ort der Zuflucht ist das lichthelle Haus, in dem ich geborgen bin und mich angenommen weiß. Und wo ich Gott ahnen kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44338
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