SWR4 Abendgedanken
"Wie kann ich an einen liebenden Gott glauben, wenn Menschen leiden; wenn ich selbst leide?“ Das ist eine der schwierigsten Fragen in der Theologie. Ich habe für mich eine Antwort gefunden. Die Worte des Theologen Hans Küng haben mir dabei sehr geholfen.
Er sagt dazu: „Gottes Liebe bewahrt nicht vor allem Leid, sondern in allem Leid“. Ja, Gottes Liebe bewahrt mich in allem Leid. Das habe ich immer wieder selbst genau so erlebt. Gottes Liebe hat mich nicht vor Kummer und Leid bewahrt. Ich habe als junge Frau Entscheidungen getroffen, die mich bis heute manchmal schmerzen. Ich hatte große Angst um meinen Sohn, als er schwer krank war. Ich bin sehr traurig über den Tod einer Freundin. Aber keine Krise hat mich zerstört. Ich bin gewachsen daran. Glauben zu können, dass Gott mir nah ist, hat mir geholfen. Vieles, was passiert ist, kann ich nicht verstehen und es kann mir niemand erklären. Das betrifft mein eigenes kleines Leben und den Kummer weltweit. Trotzdem kann ich glauben: Gott ist da. Er hält mit mir und in der Welt das Leben aus. Das ist mein unzerstörbares Fundament. Hans Küng hat Worte dafür gefunden, die mir guttun und genau das beschreiben:
„Unser Leben ist kurz. Unser Leben ist lang. Voll Staunen stehe ich vor einem Leben, das seine unerwarteten Wendungen und doch seine Geradlinigkeit hatte.
Ich danke dir unfasslicher, alles umfassender und alles durchwaltender Urgrund, Urhalt, Ursinn unseres Seins – den wir Gott nennen.
Den Plan, nach dem unser Leben verläuft mit all seinen Irrungen und Wirrungen, erkennst nur du allein. Und dein Angesicht können wir in dieser Welt nicht sehen. Aber wir dürfen deine Hand in unserem Leben im Rückblick erkennen.“
Ich glaube, dass mich Gott bewahrt und mir nahe ist. Auch in den undurchsichtigen und schwierigen Momenten. Dafür bin ich dankbar. Für Kummer und Leid bin ich es erstmal nicht. Das ist zu viel verlangt. Und ich kann gut verstehen, wenn Menschen deshalb nicht glauben können, dass es Gott überhaupt gibt. Aber wenn ich im Rückblick erkenne, wie ich gerade durch schwere und unerklärliche Lebensumstände gewachsen bin; wenn ich spüre, wie kostbar das Leben auch durch die schmerzhaften Erlebnisse ist, kann ich mich Hans Küng anschließen. Und Gott für dieses Leben danken mit allen Erfahrungen. Den Hellen und den Dunklen.
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