SWR4 Abendgedanken

04MAI2026
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Ich erzähle Ihnen heute von einer Freundschaft, die ich beenden musste. Das war damals schwer. Inzwischen kann ich friedlich an diese Freundin denken, zu der ich keinen Kontakt mehr habe. Im Nachhinein würde ich sagen, dass die Auseinandersetzung mit ihr ein Meilenstein war. Meine Freundin und ich hatten einen Streit, den wir nicht lösen konnten. Ihr Partner hatte sich von ihr getrennt. Und sie wollte, dass ich mich ganz hinter sie stelle. Dass ich über diese Trennung denke wie sie selbst. Das konnte ich nicht. Ich habe beide gut gekannt und erlebt, wie sie sich gegenseitig gekränkt haben. Ich habe meiner Freundin gesagt, wie ich das sehe. Wir haben telefoniert. Briefe gingen hin und her. Keine Chance. Wir haben alles versucht und uns nicht verstanden. Am Ende waren wir enttäuscht und wütend. Ich habe mich schuldig gefühlt und an mir gezweifelt. Habe mich gefragt, ob ich wirklich alles versucht habe? Ob ich mich genügend in ihre Situation eingefühlt hatte?

Ich habe einer Seelsorgerin von diesem ungelösten Konflikt erzählt. Und sie hat mir etwas Überraschendes vorgeschlagen: „Wie wäre es, wenn Sie sich für einen Augenblick sich selbst zuwenden? Schauen Sie sich an. Sie sind eine gewissenhafte Frau. Sie haben ihren eigenen Worten nach alles versucht. Sie haben ihrer Freundin viel Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt. Also: Wenn es Ihnen möglich ist, haben Sie jetzt Mitgefühl mit sich selbst. Mit der Frau, die an sich selbst zweifelt. Die traurig ist, weil sie sich nicht verständlich machen kann.“ Ein ungewöhnlicher Perspektivwechsel. Da standen auf einmal nicht mehr die Schuldgefühle über mein Unvermögen im Mittelpunkt, sondern Mitgefühl mit mir selbst. Und diese Perspektive war mir zunächst fremd. Ich habe aber gleichzeitig erlebt, was sich in mir verändert. Es hat mir gutgetan, mit mir zu fühlen. Wahrzunehmen und anzuerkennen, wie sehr ich mich angestrengt habe. Und dann, allmählich ... hat sich auch meine Wut auf meine Freundin aufgelöst. Ich konnte sie sein lassen, wie sie ist; ihre Sicht auf die Situation einfach stehen lassen. Ich war traurig darüber, dass es das gibt: Konflikte, die ich nicht lösen kann. Und Situationen, in denen ich mich nicht verständlich machen kann. Aber ich habe dabei gelernt, eben nicht immer weiterzukämpfen. Ich habe gelernt, uns beide verschieden sein zu lassen. Das ist schon viel.

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