SWR3 Gedanken
Aus meiner Zeit in Israel ist mir ein Satz noch sehr im Gedächtnis: Le chaim! – Auf Deutsch: „Auf das Leben!“ Er wird oft als Trinkspruch verwendet. So, wie man auf Deutsch „Zum Wohl!“ sagt. In „Le chaim“ steckt aber viel mehr als nur, miteinander anzustoßen. Es ist eine Aufforderung, das Leben zu feiern. Dafür gibt es gerade heute einen guten Grund. Denn am 2. Mai 1945 haben die deutschen Truppen in Berlin kapituliert.
In der Stadt wurde nicht mehr gekämpft und kurz danach auch in ganz Deutschland nicht mehr. Endlich war der Krieg vorbei. Für Jüdinnen und Juden, die diese Zeit erlebt und überlebt haben, war es trotzdem kein Grund zum Feiern. Zu groß waren die Trauer und die Wut über Millionen von Menschen, die von den Nazis ermordet wurden. Für mich ist es unvorstellbar, wie sich dieser Moment am Kriegsende angefühlt haben muss.
In den nächsten Tagen werden sich Menschen wieder an das Ende des Krieges in Europa und an die mehr als 6 Millionen jüdische Opfer erinnern. Ich auch. Ich will dazu beitragen, dass das, was damals geschehen ist, nie vergessen wird – und niemals wieder passieren kann.
Und wenn ich mit jemandem anstoße und „Le chaim“ sage, wird es da sein: Ein trauriges, trotziges, hoffnungsvolles „Es lebe das Leben!“
