SWR3 Gedanken
„Das verstehst du nicht. Dafür bist du noch zu klein.“ Diesen Satz sagen Erwachsene gerne mal zu Kindern. Was sie aber oft damit meinen, ist: „Das geht dich nichts an!“ Dass das so nicht immer stimmt, habe ich neulich wieder gemerkt.
Als Pfarrerin bin ich zu Besuch bei einer Familie. Dort sitze ich mit den Eltern und ihren drei Kindern am Küchentisch und fülle mit ihnen gemeinsam ein Formular für eine Taufe aus. Als ich an die Stelle „Familienstand“ komme, zögere ich kurz. Ich will es den Kindern erklären und frage deshalb den achtjährigen Tobi: „Was ist dein Familienstand? Also, bist du verheiratet?“
Tobi zögert kurz, dann grinst er und murmelt: „Nee, verliebt.“ Ich muss so lachen. Und ich finde, dass Tobi die Sache mit dem Familienstand sehr gut verstanden hat.
Sich zu verlieben oder Liebe zu fühlen kann so tief gehen, dass es alles verändert. Mit Liebe im Herz, im Bauch und im Kopf sehe ich alles um mich herum mit neuen Augen an – fühle mich buchstäblich, als hätte ich auf einmal einen anderen „Stand im Leben“. So etwas ist für viele Menschen genauso wichtig wie eine Hochzeit und sogar wichtiger als der Familienstand: verheiratet.
„Wenn ich keine Liebe habe, bin ich nichts.“[1] sagt die Bibel und Hochzeitspaare suchen sich diesen Satz gerne für ihre Trauung aus.
Er ist eben nicht nur schön, es spricht auch eine Tiefe aus ihm. Und er stößt uns darauf: Das mit der Liebe ist etwas ganz Besonderes und geht über unser Leben und sogar über den Tod hinaus. Die ganze Welt kann sich mit Liebe völlig anders anfühlen.
So etwas können auch Kinder spüren und auf ihre Weise ausdrücken. Und wir Erwachsene lachen überrascht – und staunen.
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[1] 1Kor 13
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