SWR3 Gedanken
An meine allerersten Freundschaften erinnere ich mich noch heute.
Ich habe meine Freundinnen im Kindergarten kennengelernt, wurde gemeinsam mit ihnen eingeschult oder wir waren im selben Verein.
Jetzt, wo ich älter bin und sie nicht mehr automatisch jeden Tag sehe, merke ich: Freundschaften können auch ganz schön viel Arbeit sein. Ich muss mich melden, Kontakt halten, bewusst was mit ihnen unternehmen.
Und manchmal passiert das, was ich eigentlich nicht will: Freundschaften gehen kaputt, zerbröseln oder lösen sich einfach auf. Oft ist ein Streit der Auslöser, ein Missverständnis oder eine Verletzung. Ich habe das schon mehrmals erlebt.
Das Ende einer Freundschaft kann sehr schmerzhaft sein, besonders wenn ich mit jemandem so lange durchs Leben gegangen bin, wir so viel zusammen durchgemacht haben und dann irgendwann merken: So richtig haben wir uns gar nichts mehr zu sagen. Oder schlimmer: Wir können uns gegenseitig nicht mehr vertrauen.
Die Bibel erzählt auch von zwei Freunden: Abram und Lot. Sie sind Wanderhirten, ziehen mit ihren Familien und Tieren durchs Land. Gemeinsam.
Doch immer häufiger sind sie verschiedener Meinung. Sie merken: wenn sie so weitermachen, wird es irgendwann richtig krachen zwischen ihnen.
Also ziehen sie rechtzeitig einen Schlussstrich, sie trennen sich im Guten. (Einer geht links, der andere rechts.)
Sie hätten es auch drauf ankommen lassen und schauen können, wer vor beiden sich am Ende durchsetzen kann. Die beiden entscheiden sich aber anders.
Selbst, wenn ihre gemeinsame Geschichte nicht mehr weitergehen kann, schaffen sie es, respektvoll auseinander zu gehen.
Wenn es überhaupt möglich ist, eine Freundschaft gut zu beenden – die beiden schaffen es.
Und machen dadurch Menschen heute Mut, mit sich selbst und anderen ehrlich zu sein und zu sagen: Du, so, wie es ist, stimmt es nicht mehr. Lass uns stattdessen getrennte Wege gehen – aber in Frieden.
