Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Karl Heinz hatte gerade Geburtstag. Er ist 85 Jahre geworden. Beruflich ist er Bestatter. Den Familienbetrieb hat schon vor mehreren Jahren sein Sohn übernommen, aber Karl Heinz ist eigentlich jeden Tag mit dabei.
Neulich stehe ich nach einer Beerdigung noch mit ihm zusammen, als er sagt:
„Das ging jetzt irgendwie so plötzlich! Und schwupps ist man 85 Jahre alt!“
Er sagt es bedauernd und ja – auch traurig. Schließlich weiß er ja, das geht hier nicht ewig so weiter. Wer weiß das besser als ein Bestatter? Selbst wenn es ihm aktuell gut geht, das kann sich täglich ändern. Das trifft auf jeden und jede von uns zu, aber mit höherem Alter steigt leider auch die Wahrscheinlichkeit. Und so wird die eigene Endlichkeit präsenter.
Wenn dieser Gedanke an die eigene Endlichkeit aufblitzt, ist Karl Heinz zum einen dankbar. Dankbar, dass es ihm aktuell gut geht. Das ist nicht selbstverständlich für ihn. Und er schaut zurück auf sein Leben. Er erzählt, wie viel er sein ganzes Leben gearbeitet hat. Eigentlich immer. Ab und an mal ein paar wenige Tage Urlaub. Er kennt es nicht anders, da er den Betrieb von seinem Vater übernommen hat. Und so sind die Jahre dahin gegangen.
Ich frage ihn: „Bereust du es?“ Er schüttelt den Kopf und ergänzt: „Das gehört zum Beruf dazu. Das ist mein Leben.“ Ich kenne ihn nun schon ein Weilchen und habe den Eindruck: Dieses Leben gefällt ihm aber auch genauso wie es ist. Und tatsächlich ergänzt er: „Es ist schön, gebraucht zu werden – Menschen helfen zu können. Und ich brauche das auch – dabei zu sein, eine Aufgabe zu haben.“
Das Gespräch mit Karl Heinz geht mir nicht aus dem Sinn. Der Gedanke an die eigene Endlichkeit kann Traurigkeit auslösen. Aber ich glaube, die Rückschau lässt ihn zufrieden sein mit seinem Leben und auch dankbar.
Mir macht der Gedanke daran, dass die Zeit hier begrenzt ist, deutlich, wie kostbar die Zeit hier miteinander ist. Diese Zeit zu haben ist für mich nicht selbstverständlich, denn ich habe sie von Gott geschenkt bekommen und dafür bin ich dankbar.
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