Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

02MAI2026
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Ich gehe gern spazieren. Und meistens gehe ich schneller als nötig. Ich merke dann richtig, wie ich Strecke machen will. Ein bisschen Bewegung, ein bisschen Tempo – und am Ende das Gefühl: Gut, wieder eine Runde geschafft, wieder ausreichend Schritte gemacht.

Bei meiner letzten Runde war das etwas anders. Vor mir lief ein Kind. Und dieses Kind hat offenbar überhaupt keine Eile. Es blieb bei jeder zweiten Pfütze stehen. Schaut hinein, als wäre dort etwas ganz Besonderes zu sehen. Patscht mit dem Schuh im Wasser. Lacht. Und geht dann ein paar Schritte weiter – bis zur nächsten Pfütze.

Am Anfang bin ich echt ungeduldig. Ich denke: „Jetzt geh doch einfach weiter. Ich komm ja nicht an dir vorbei.“ Der Weg ist schmal, und das Kind bleibt einfach in seinem eigenen Tempo.

Irgendwann merke ich: Ich werde langsamer. Ich habe mich wohl unbewusst dem Lauftempo des Kindes angepasst. Und noch was ist anders: Ich schaue auch in die Pfützen und sehe, wie sich die Bäume im Wasser spiegeln. Wie der Wind kleine Wellen in die Pfützen zieht. Eigentlich nichts Besonderes. Es sind kleine Dinge, an denen ich sonst einfach vorbeilaufe, wenn ich nur meinen Plan verfolge Strecke zu machen. Aber jetzt freue ich mich, dass ich sie sehe.

Offensichtlich braucht es nicht viel. Einen kleinen Moment – bei mir ein Kind – das sich einfach so dazwischenschiebt und etwas verändert, sichtbar macht. Und was ich dann sehe, wird immer mehr.

Später fällt mir dann das Gleichnis vom Senfkorn ein, das Jesus einmal erzählt hat.

Ein Senfkorn ist so klein, dass man es schon mal übersieht, und dennoch, kann es etwas Großes werden. Es bleibt nicht klein und unscheinbar. – Und ein Senfstrauch kann immerhin bis zu drei Meter hoch werden!

Für Jesus zeigt sich darin, wie das Reich Gottes ist. Das ist kein geografischer Ort, vielmehr eine Erfahrung, in der uns Gott nahekommt. Und das kann ein kleiner Moment sein, aus dem viel werden kann, wenn ich ihm Raum gebe.

Das kann auch ein Gespräch sein, in dem ich mal wirklich hinhöre oder ein Moment, in dem ich ruhiger reagiere, als sonst vielleicht . Mich mal zurücknehme, den anderen mehr sehe. Kleine Dinge, aus denen mehr werden kann. Und vielleicht merke ich später: Da hat sich etwas bewegt. Da ist etwas sichtbarer und größer geworden.

Wie bei dem Spaziergang mit dem Kind.

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