Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Manchmal zweifle ich. Nicht nur an mir, sondern auch an meinem Glauben. Und manchmal frage ich mich ganz ehrlich, ob Gott wirklich da ist.
Ich sage das so offen, weil ich glaube: Zweifel gehört zum Glauben dazu. Zweifeln ist nichts Bedrohliches, kein Feind, den man loswerden muss. Für mich ist er eher wie ein Besucher. Einer, der anklopft, Fragen mitbringt, mich durcheinanderbringt – manchmal einfach dableibt.
Und dieser Besucher klopft manchmal öfter an, als mir lieb ist: Wenn ich als Mutter an meine Grenzen komme, weil alles zu viel wird. Wenn ich mir Sorgen mache um ein Familienmitglied, dass im Krankenhaus oder um einen Freund, der unerwartet seinen Job verliert. Dann klopft dieser Zweifel an und ich sage zu Gott: „Ein bisschen Hilfe wäre schon schön!“ Aber keine Antwort. Gott fühlt sich dann ziemlich weit weg an. Ich frage mich dann: „Gott, wo bist du?“
In solchen Momenten denke ich dann oft an diesen einen Satz von Jesus am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Dieser Satz ist kein frommer Gedanke. Das ist ein Aufschrei. Und er steht genau da, wo alles auf dem Spiel steht, am Kreuz.
Ich habe festgestellt, ich brauche diesen Satz. Weil er zeigt: Selbst Jesus kennt dieses Gefühl von Gottesferne. Und wenn Jesus das kennt, dann ist Gott nicht fern von diesem Gefühl, sondern mittendrin. Ich kann also davon ausgehen, dass Gott um meine Gefühle weiß, weil er sie selbst durchlitten hat. Zweifel ist also nichts, was mich vom Glauben trennt. Sondern etwas, das dazugehört.
An manchen Tagen, an denen der Zweifel anklopft, bete ich manchmal nur einen einfachen Satz: „Gott, ich glaube – hilf meinem Unglauben.“
Mehr ist es oft nicht. Aber dieser Satz ist ehrlich. Er tut nicht so, als wäre alles klar. Er sagt: Das ist, was ich habe. Mehr gerade nicht. Und ich beginne dann den Tag mit dem, was da ist, mit Vertrauen und mit Zweifel. Beides darf sein.
Zweifel besucht mich immer wieder. Das ist nicht einfach. Aber ich setze mich immer wieder mit ihm an einen Tisch. Und auch wenn ich Gott dann nicht spüre, vertraue ich darauf, dass er trotzdem da ist.
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