Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

29APR2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Im Supermarkt stehe ich an der Kasse, vor mir eine ältere Dame. Sie legt ihren Einkauf aufs Band und sucht in ihrem Geldbeutel nach dem passenden Kleingeld. Das dauert eine Weile.

Hinter mir wird es schon ein bisschen unruhig. Sie kennen das vielleicht. Dieses leise Seufzen. Man merkt sofort: Manche hätten es gern schneller. Ehrlich gesagt, ich kenne diesen Gedanken auch von mir selbst. Man steht da, hat es eilig und denkt: „Jetzt mach schon…“

Die Frau vorne hat es vermutlich gemerkt. Sie kramt immer hektischer nach ihren Münzen und schaut unsicher auf die anderen in der Schlange.

Was ist das nur für ein merkwürdiger Druck, den wir uns im Alltag machen? Beim Einkaufen, im Straßenverkehr, beim Warten irgendwo: Alles soll schnell gehen.

Das Leben funktioniert aber oft gar nicht so. Manches geht eben nicht schneller, auch wenn man Druck macht. Manchmal braucht ein Mensch einfach länger. Beim Bezahlen. Beim Autofahren. Beim Erzählen. Ich hab ja auch schon festgestellt, dass ich an manchen Tagen langsamer unterwegs bin.

Und eigentlich weiß ich auch „Alles hat seine Zeit“. Dieser Satz steht schon in der Bibel und passt erstaunlich gut in solche Alltagssituationen (Kohelet 3,1-8).

Nur ist das nicht so einfach: Heutzutage muss alles schnell muss. Die Welt drückt auf Tempo. Wir wollen schnelle Antworten, schnelle Entscheidungen, schnelle Abläufe.  Aber das Leben selbst hat oft ein anderes Tempo.

Wenn ich aber „Alles hat seine Zeit“ beherzige, dann passiert was Entscheidendes: Ich gestehe mir und auch anderen Zeit, nach und nach für das was ansteht und entschleunige so. Wie bei der Supermarktfrau, wenn ich geduldig warte, damit sie sich Zeit nehmen kann, um zu bezahlen.

„Alles hat seine Zeit“: Arbeiten und reden, Schweigen und auch geduldig sein. Vielleicht wirkt dieser alte Satz aus der Bibel genau deshalb bis heute. Manche Dinge gehen nicht schneller, wenn ich mich beeile. Und Hektik hat noch niemandem geholfen. Manchmal hilft es mehr, die Dinge anzunehmen, wie sie sind. Es dauert vielleicht gefühlt einen Moment länger und dann geht es auch weiter.

Im Supermarkt an diesem Tag hat es am Ende gar nicht viel länger gedauert. Die Frau findet ihr Geld, die Kassiererin bedankt sich freundlich und die nächsten Kundinnen und Kunden zahlen ihre Einkäufe.

„Alles hat seine Zeit“ denke ich mir, atme tief durch und versuche, das nächste Mal auch mit mir geduldiger zu sein.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44307
weiterlesen...