Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Schultag. Ich trete in den Klassenraum und stelle fest: Ich bin wirklich die Einzige. Die Klasse besteht aus 30 Jungs und ich bin das einzige Mädchen. Um Elektrotechnik und Maschinenbau zu lernen, bin ich ans Technische Gymnasium gewechselt. Und bin nun angespannt, denn ich spüre die Blicke von 30 Jungs. Passe ich wirklich hierher? Kann ich mich behaupten? Schaffe ich das?
Etwas nervös setze ich mich hin, schaue nach vorne und denke: Also gut, Frauen und Technik – schließt sich nicht aus! Technik kann jeder lernen. Ich finde es logisch, spannend, kreativ und hab meinen Spaß daran. Also let’s go!
Ich bin motiviert und trotzdem gibt es in den nächsten Jahren Momente, in denen ich denke: Vielleicht passe ich hier nicht hin.
Geholfen hat mir aber, dass Menschen mir zugetraut haben, dass ich das kann. Ein Lehrer, der mich ernst nimmt. Freundinnen, die sagen: „Warum denn nicht?“. Das hat mir geholfen zu sagen: Ich gehöre da hin, ich kann das!
Ich glaube, die entscheidende Frage ist: Wem traue ich etwas zu und wem nicht? Und wie früh gebe ich Kindern mit auf den Weg, was sie angeblich können oder eben nicht? Wenn ein Kind oft hört: „Du bist halt nicht so gut in Mathe“ oder „Du bist eben schüchtern“, dann kann sich das festsetzen. Wenn aber ein Kind spürt „Man traut mir etwas zu“, dann wächst es.
Zweifel finden Kinder oft von selbst. Zutrauen brauchen sie von außen. Sowie Mose, als Gott was von ihm will (Ex 3.4). Mose hält sich zurück und sagt: „Ich kann das nicht gut.“ Er zählt auf, was gegen ihn spricht. Und Gott? Der sagt einfach: „Ich bin mit dir“, mehr nicht. Er sieht ihn und traut ihm was zu.
Es erinnert mich an meine Zweifel auf dem Technischen Gymnasium. Ich bin doch da nicht richtig, oder? Ich kann das doch nicht.
Aber das ist genau der Punkt: Wenn ich bestärkt werde, wenn ich gesehen werde und spüre da ist jemand mit mir, dann wachse ich.
Vielleicht hören heute Mädchen zu, die sich auch für Technik oder zum Beispiel Politik interessieren. Oder etwas, wo andere sagen könnten: Das ist eher nichts für dich.
Dann möchte ich ihnen sagen: Lass dich nicht beirren. Wag es!
Und vielleicht hören auch Erwachsene zu – Eltern, Lehrerinnen, Großeltern. Dann ist heute ein guter Tag, einem Mädchen zu sagen: „Ich glaube an dich. Du kannst das.“
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