Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Stimmt bei Ihnen die Work-Life-Balance? Sind Arbeit und Leben, Verpflichtungen und Freizeit im rechten Verhältnis? Ganz ehrlich, mir persönlich widerstrebt dieser in Mode gekommene Ausdruck: Work-Life-Balance. Work und Life – Arbeit und Leben – das sind doch keine getrennten Bereiche. Und ich höre doch nicht auf, zu leben, wenn ich bei der Arbeit bin. Die Rede von der Work-Life Balance aber vermittelt genau das. Und das wiederum kann dann dazu führen, dass die die Arbeit als leblos oder zumindest als freudlos erlebt wird. Für mich passt das nicht. Ich halte es für wichtig, dass die Arbeit Teil meines Lebens ist und ich eben auch in meiner Arbeitszeit lebe, Freude habe lachen kann, Erfolge feiere; es mir manchmal schön mache; die Kolleginnen zum Lachen bringe.
Das bedeutet nicht, dass immer alles locker und easy ist. Nein, auch das Schwere und das Mühsame gilt es zu erleben und zu durchleben. Auch das ist ja Teil meines Lebens. Die Bibel spiegelt das wider, dass unser Leben ein ganzes ist: Wenn ich an Jesus und seine Geschichte denke: Der hat gekämpft wie ein Löwe, gefastet und gefeiert ohne Ende. Gelitten und geliebt. Ja, gerade das Leiden war ein zwar schwerer, aber wichtiger Teil seines Weges. Aber es war nicht das Ende.
Als Christ glaube ich daran, dass nichts, nicht mal der Tod, es festhalten, in den Griff bekommen kann, das Leben. Deshalb muss ich das selbst auch nicht versuchen oder Angst haben, die Arbeit und die Verpflichtung könnten es verdrängen, an den Rand schieben, in den Griff bekommen. Und weil ich das glaube, möchte ich ihm Raum geben. Jeden Tag. Auch bei der Arbeit. Und es suchen. Das Leben. Und nicht immer nur hoffen, dass der eine Teil irgendwie vorbeigeht und der andere sich möglichst toll anfühlt.
Zum Schluss: Eine gute Freundin hat unter die Todesanzeige ihres Vaters nur einen Satz geschrieben: „Er hat gelebt.“ Gefällt mir. Gelebt hat er, weil er sein Leben eben nicht damit verbracht hat, sich darauf vorzubereiten irgendwann mal zu leben - im Urlaub oder im Ruhestand, oder wenn die Kinder groß sind. Denn Leben ist immer jetzt. Auch bei der Arbeit.
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