SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
In ein paar Tagen wird er 76 Jahre alt. Die Rede ist von Thomas Gottschalk. Seine Fernsehkarriere hat er schon mehrfach für beendet erklärt, um dann doch wieder in irgendeiner Show aufzutauchen. Da ist der, der für viele auch im fortgeschrittenen Alter und trotz Erkrankung noch immer der Thommy ist, nicht besonders konsequent. An anderer Stelle schon. Gefragt, ob er noch in der Kirche sei, antwortet er: „Solange ich mir Schuhe von Louis Vuitton leisten kann, solange kann ich mir auch die Kirche leisten.“ Da hat er leicht Reden – kann man jetzt sagen – hat ja auch Geld wie Heu. Stimmt. Und sowohl von Louis Vuitton Schuhen als auch von Thomas Gottschalk kann man halten, was man will.
Was mir gefällt, ist sein klares Bekenntnis zur Kirche. Und seine versteckte Kritik an denen, die behaupten, sie könnten sie sich nicht mehr leisten. Mal ehrlich: Auch mit weniger Geld als Thomas Gottschalk können die meisten von uns entscheiden, was für sie wichtig ist. Und ich glaube, darum geht es: Sich ehrlich klarzumachen, was mir wichtig ist.
Warum mir die Kirche wichtig ist? Ein paar Beispiele: Weil sie mich geprägt haben, die kirchlichen Jugendräume, in denen wir früher die ersten Partys ohne Eltern gefeiert haben, und ich mir wünsche, dass es solche Orte auch heute noch gibt. Weil ich sie im wahrsten Sinn des Wortes notwendig finde, die Hilfsangebote von Diakonie und Caritas, zu denen ich Menschen schicken kann, die nicht mehr weiterwissen. Und weil sie mir am Herzen liegen, die Kirchen in unseren Städten und Dörfern, die oft geöffnet sind und Orte der Ruhe bieten. Zweckfreie Gebäude, Leerräume, in denen nichts produziert wird, die uns aber verbinden, mit so vielen, die vor uns waren und vorausgegangen sind.
Natürlich kann und darf nicht alles beim Alten bleiben, gerade in der Kirche. Natürlich wurden Fehler gemacht und sind wir Menschen nicht gerecht geworden. Und natürlich müssen wir uns täglich neu fragen, was es heute bedeutet, Kirche für die Menschen zu sein. Aber gerade deshalb bin ich Thomas Gottschalk und allen anderen, die uns die Treue halten, sehr dankbar. Denn im Gegensatz zu den Louis Vuitton Schuhen handelt es sich hier nicht um eine Geschmacksfrage. Vielmehr geht es um die Frage: Bin ich bereit, etwas beizutragen und einzubringen, auch wenn mir das vielleicht nicht immer und sofort etwas Zählbares bringt? Bin ich bereit, in Leerräume zu investieren, die es ermöglichen, dass Menschen sich getragen fühlen? Ganz gleich in welchen Schuhen ich durch mein Leben gehe.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44289