SWR4 Abendgedanken
Für mich ist der Mai ein ganz besonderer Monat. Nicht nur, weil gefühlt die Hälfte meiner Familie im Mai Geburtstag hat. Sondern weil der Mai der Monat ist mit den meisten Feiertagen.
Und gleich heute, mit dem 1. Mai, hat der Reigen der Feiertage begonnen. Mit dem sogenannten „Tag der Arbeit“. Es ist kein kirchlicher Feiertag, aber trotzdem hat der 1. Mai eine christliche Botschaft: Er erinnert daran, dass die Arbeit dem Menschen dient und nicht der Mensch der Arbeit – und dass der Mensch mehr ist als das, was er leistet. Gerade in einer Zeit, in der viele sich über ihre Arbeit definieren oder unter ihr leiden, ist das ein wichtiges Zeichen: Jeder Mensch hat Würde – unabhängig von dem, was er schafft oder verdient.
Am 14. Mai folgt in diesem Jahr Christi Himmelfahrt. Der Tag richtet den Blick nach oben – hinaus über das, was ich festhalten und begreifen kann. Und er erinnert daran, dass Jesus nach seiner Auferstehung nicht einfach verschwunden ist, sondern dass er uns vorausgeht – und unser Leben in Gottes Weite geborgen ist.
Und Pfingsten, dieses Jahr am 24. und 25. Mai, erzählt davon, wie Gottes Geist zu den Menschen kommt. Uns bewegt, verbindet und uns neue Worte schenkt. Damit wir uns gegenseitig verstehen – trotz aller Unterschiede. Pfingsten erzählt davon, dass Angst sich in Mut verwandeln kann. Und dass es möglich ist, Streit, Konflikte, überhaupt alles, was Menschen voneinander trennt, zu überwinden.
All diese Feiertage stehen nicht einfach nur im Kalender. Sie stellen Fragen.
Wie lebe ich eigentlich – und wie würde ich gerne leben? Was trägt mich – auch dann, wenn Arbeit und Alltag einmal wegfallen?
Der Mai gibt mir Zeit darüber nachzudenken. Weil er mir kleine Lücken schenkt. Tage, an denen ich nichts „muss“. Genau darin liegt seine Kraft.
Heute beginnt der Mai. Und mit ihm die Einladung, mich unterbrechen zu lassen – und so dem näherzukommen, was meinem Leben Tiefe gibt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44286