SWR4 Abendgedanken

28APR2026
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Ich erinnere mich noch gut. Als mein Sohn klein war, da konnte er abends oft nicht einschlafen. Er hatte Angst und hat nach mir gerufen: „Mama, da sind Gespenster unter meinem Bett“.

„Da sind keine.“ habe ich versucht, ihn zu beruhigen, mich gebückt und nachgeschaut. „Die passen da gar nicht drunter. Da ist viel zu wenig Platz unter deinem Bett.“

„Doch Mama. Die sind da. Aber du kannst die gar nicht sehen. Die sind nur so klein, dass sie gerade drunter passen. Und die sitzen da ganz hinten.“

Für mich war es kindliche Phantasie – für meinen Sohn aber waren sie echt: Seine Angst war echt – und da musste ich ihm doch irgendwie helfen. Um ihn zu beruhigen, habe ich ein Abendritual erfunden: Ich habe den langen Besen geholt und die Gespenster unter dem Bett rausgefegt. Und zur Sicherheit haben wir noch eine Nachtlampe in Gespensterform angeknipst. Ein helles Gespenst, vor dem die anderen Angst bekommen. Das hat sie abgeschreckt. Dann sind sie auch nicht wieder gekommen. Und mein kleiner Sohn konnte ohne Angst einschlafen.

Ich muss abends oft an diese Geschichte denken. Wenn ich selbst einschlafen will – dann spüre ich die Gespenster unter meinem eigenen Bett. Sie sehen nur etwas anders aus. Sie heißen Sorgen und Gedanken. Und obwohl auch sie nur in meinem Kopf sind, sind sie doch echt. Sie kreisen um mich und lassen mich nicht in Ruhe. Gedanken, was ich heute alles wieder nicht erledigt habe. Gedanken, mit wem ich heute einen Streit hatte, den ich nicht klären konnte. Sorgen um Menschen, die ich liebe, und denen es gerade nicht gut geht. Sorgen darüber, dass der Tag morgen eigentlich viel zu kurz ist für all das, was ich noch erledigen muss.

Kinder wünschen sich nur eines gegen Gespenster: Dass jemand da ist. Dass jemand nachschaut. Dass jemand das Licht anmacht. Und deshalb rufen sie um Hilfe.

Vielleicht kann ich genau das von den Kindern lernen: Dass es gut ist, nach jemandem zu rufen. Mich zu vergewissern: Ich bin nicht allein in dieser Nacht. Gott hat versprochen, dass er da ist. Er sagt nicht: „Da ist nichts“, sondern „Ich bin bei dir!“. Und er bleibt, wenn ich mich fürchte. Gespenster haben bei ihm nicht das letzte Wort.

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