SWR Kultur Wort zum Tag
Sein ganzes Leben saß Bruder Konrad an der Klosterpforte. Und die glich im Wallfahrtsort Altötting einem Taubenschlag. Nicht nur, dass es damals noch reichlich Kapuzinermönche gab. Es galt ja vor allem, für die Massen von Wallfahrern da zu sein, die Kontakt oder Hilfe suchten. Schon zu Lebzeiten war dieser Bruder Konrad für seine freundliche Präsenz bekannt, stets gesprächs- und hilfsbereit und das mit unerschütterlicher Geduld. Konrad war sein Klostername, eigentlich hieß er Johann Evangelist Birndorfer, ein Bauernsohn aus Parzham bei Griesbach und dann selbst Bauer im Rottal. Mit 31 Jahren verzichtete er auf den Bauernhof, den er liebte, und ging ins Kloster. Drei Tage vor seinem Tod am 21. April 1894 sagte er: „ich kann nicht mehr“. Da hatte er 41 Jahre als Pförtner gedient. 1934 wurde er heiliggesprochen, und heute ist sein Geburtstag ins göttliche Leben.
Warum an solch ein unscheinbares Leben erinnern? Weil es der christliche Normalfall ist. Und weil es ans Licht bringt, worauf es ankommt. Schon zu Lebzeiten merkten immer mehr Leute, dieser Bruder Konrad ist echt, der ist einfach da. Von dem geht ein Wohlwollen aus, das guttut. Und dafür hat jeder Mensch eine Antenne. Bruder Konrad wollte nichts Besonderes sein, er musste sich nicht inszenieren; er musste nicht belehren und werten. Und er musste sich nicht abwerten und klein machen. „In Gottes Namen“, sagte er gern und verriet damit die Quelle seiner Lebensart: ein abgrundtiefes Vertrauen auf Gott mitten im Alltag.
Unsereiner denkt beim Wort „Gott“ an etwas Überwältigendes und Großes. Und das ist ja auch wahr: Größeres kann gar nicht gedacht und geliebt werden. Meist aber wird das christlich Entscheidende vergessen: die Liebe im Kleinen. „Wer unter euch groß sein will, möge doch bitte so klein werden, wie er in Wahrheit ist“ und auf den Teppich kommen. Nichts Besonderes, aber das ganz und in Würde und mit Ausstrahlung. Davon war Bruder Konrad überzeugt und so wurde er ein Pförtner der Herzen, ein Türöffner und Netzwerker. An seine Schwester schrieb einmal: „Mir geht es immer gut. Ich bin immer glücklich und zufrieden in Gott. Ich nehme alles mit Dank vom lieben Himmelsvater an, seien es Leiden oder Freuden, er weiß wohl, was besser ist für uns“. Solch einen inneren Frieden wünsche ich Ihnen und mir.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44280