Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

21APR2026
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Wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich auf den Äckern einen leichten hellgrünen Schimmer. Die Saat ist aufgegangen. Schön sieht das aus!

Noch sind die Pflänzchen ganz zart – kaum zu glauben, dass sie in wenigen Monaten reif für die Ernte sind. Dafür braucht es jetzt Regen, Sonne – und Geduld. So wie für manches andere im Leben auch.

Ich gebe zu: Für mich ist das mit der Geduld keine leichte Übung. Wenn etwas nicht sichtbar vorangeht, bekomme ich schnell Zweifel. Als unsere Kinder klein waren zum Beispiel. Da habe ich mir Sorgen gemacht, weil unsere Tochter immer noch gemütlich auf dem Rücken lag, während andere Babys schon durch die Gegend gekrabbelt sind. Und ich war nervös, als unser Sohn sich in der ersten Klasse mit dem Rechnen über den Zehner schwergetan hat. Ich habe überlegt, wie man das üben kann. Am Ende waren alle genervt. Heute weiß ich: Sie haben es schon noch gelernt, das Krabbeln und das Rechnen. Auch ohne Extraeinsatz. Es hat einfach ein bisschen Zeit gebraucht, Geduld und Zutrauen!

Geduld und Zutrauen – darum geht es auch in der kleinen Geschichte, die Jesus einmal erzählt hat: Ein Bauer sät Getreide aus. Abends legt er sich schlafen, morgens steht er wieder auf – Tag für Tag. Und währenddessen geht die Saat auf und wächst, ganz von selbst. Bis eines Tages der Weizen reif ist und die Ernte beginnt.

Die Geschichte von Jesus ist ein Gleichnis: So wie der Weizen, sagt er, wächst auch das Gute, das Gott in der Welt aussät, Gottes Reich. Es wächst von selbst und oft ohne, dass wir es merken und verstehen. Es braucht Geduld – und Vertrauen.

Klar, man kann sagen, der Vergleich in der Geschichte von Jesus hinkt. Ganz von selbst wächst kein Feld voll Weizen. Ein Acker macht viel Arbeit: umpflügen, düngen, all das passiert nicht von allein. Und auch Kinder brauchen ganz viel Zuwendung, dass sie sich gut entwickeln können.

Ja, Einsatz ist wichtig, keine Frage. Aber die Geschichte von Jesus erinnert mich daran: Nicht alles liegt in meiner Hand – und nicht alles funktioniert in meinem Tempo. Und wenn ich versuche, die Dinge zu sehr voranzutreiben, mache ich leicht etwas kaputt. So wie auf dem Acker: die Pflanzen muss man halt wachsen lassen. Das geht nicht schneller, wenn man daran zieht.

Mir jedenfalls hilft Geschichte vom Bauern und seinem Weizenfeld, die Jesus erzählt. Sie macht mir Mut, meine Ungeduld zu zähmen, mal einen Schritt zurückzutreten und zu schauen, was dann wächst und sich entwickelt. Und sie macht mir Hoffnung: Dass am Ende doch das Gute wächst – auch wenn ich jetzt vielleicht nur Spuren davon sehe. So wie das erste zarte Grün auf dem Acker vor meinem Fenster.

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