Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

25APR2026
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Die kleinen Birkenbäumchen vor der Kirche sind schon aufgestellt und mit bunten Bändern dekoriert: Morgen feiern wir Konfirmation. Sechs Jugendliche werden in unserer kleinen Dorfkirche konfirmiert – und sind schon richtig aufgeregt.

Die Bäumchen vor der Kirche – die gab es auch schon, als ihre Großeltern konfirmiert wurden. Vieles andere hat sich seither verändert. Umso bemerkenswerter finde ich den Schritt der jungen Leute morgen. Dass sie sich in die Kirche stellen und öffentlich Ja sagen: Ja zu ihrer Taufe, ja zum christlichen Glauben. Denn: Zur Kirche zu gehören, ist ja heute alles andere als selbstverständlich. Und überhaupt: zur eigenen Überzeugung zu stehen, die eigene Meinung zu sagen, das ist oft nicht einfach. Besonders, wenn ich weiß: Andere sehen das ganz anders!

Natürlich geht es bei der Konfirmation nicht nur um ein Bekenntnis. Die Konfirmation ist auch einfach ein schönes Fest. In einem Alter, in dem vieles kompliziert ist, tut es gut, in der Kirche einen Segen zu bekommen und von der Familie gefeiert zu werden. Und klar: Die Jungen und Mädchen, die morgen bei uns und an anderen Orten konfirmiert werden, sind auch nicht von allem restlos überzeugt. Sie finden manches in der Bibel und im Glauben unverständlich. Oder sehen es anders.

Aber ich finde, das ist in Ordnung. Ich hatte bei meiner Konfirmation auch jede Menge Fragen. Viele sind geblieben. Und ich ahne: Manche werden nie beantwortet.  Fragen und Zweifel gehören zum Christsein und zum Glauben dazu.

Trotzdem: In der Konfizeit haben sich die Jugendlichen mit dem christlichen Glauben auseinandergesetzt – und ihren eigenen Standpunkt dazu gefunden. Und morgen, im Konfirmationsgottesdienst, stehen sie dazu. Das ist ziemlich aufregend. Aber diese Erfahrung kann helfen, auch dann zur eigenen Überzeugung zu stehen, wenn es unbequem wird:

Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Diese Ermutigung bekommt der Apostel Paulus von Gott. Manchmal suchen sich Jugendliche das sogar als Konfirmationsspruch aus, der sie durchs Leben begleitet

Ich finde das wichtig. Denn nur wer eine eigene Überzeugung hat und gelernt hat, zu ihr zu stehen, kann auch wirklich ins Gespräch kommen mit Menschen, die es anders sehen, und mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren. Und das ist heute wichtiger denn je – egal, ob es um Religion geht oder auch um politische oder persönliche Entscheidungen.

Zur eigenen Überzeugung zu stehen – das braucht Kraft. Ich wünsche allen Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass diese Kraft in ihnen wächst. Dass sie spüren: Ich darf ich sein – und zu meiner Meinung stehen. Obwohl – oder gerade weil – ich auch diejenigen respektiere, die es anders sehen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44269
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