Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

20APR2026
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„Es ist halt schlimm, wenn niemand da ist, mit dem man reden kann“. Das hat eine ältere Dame zu mir gesagt. Seit dem Tod ihres Mannes vor einigen Monaten lebt sie allein. Sie kommt zurecht, sagt sie, mit ihrer Trauer und auch mit alltäglichen Aufgaben, die sie jetzt allein zu bewältigen ist. Aber das Alleinsein, Tag für Tag, das macht ihr doch zu schaffen. Wenn niemand da ist, der zuhört – und nur das Radio spricht.

So wie ihr geht es vielen – nicht nur älteren Menschen. Und viele Orte und Gemeinden versuchen, sich etwas auszudenken, was dagegen helfen könnte. Im Ort der alten Damie zum Beispiel, da gibt es im Ortszentrum seit Neustem eine besondere Bank: „Schwätzbänkle“ steht auf einem großen Schild, das an der Lehne montiert ist. Die Idee: Einen Ort für Gespräche und Begegnung zu schaffen. Wer sich hier niederlässt, zeigt: Ich habe Lust auf ein Schwätzle und freue mich, ins Gespräch zu kommen – vielleicht auch mit jemandem, den ich noch gar nicht kenne.

Eine gute Idee, finde ich. Aber ob sie wirklich helfen kann? Die alte Dame zum Beispiel, die vermisst ja nicht einfach nur die Gespräche mit ihrem Mann. Sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der er immer da gewesen ist. Ohne dass sie sich hat aufmachen müssen irgendwohin. Bei ihm musste sie auch nicht alles erklären – denn sie haben ja ihr Leben miteinander geteilt.

Ein Ersatz ist das also nicht. Trotzdem bin ich gespannt, ob das neue „Schwätzbänkle“ im Ort tatsächlich genutzt wird. Ob sich die ältere Dame und andere Leute, die allein sind, wirklich trauen, da Platz zu nehmen – und einfach mal zu schauen, wer sich dazusetzt. Und: Ob es vielleicht auch Leute gibt, die sich bewusst Zeit nehmen und sich eine Weile aufs Bänkle setzen – nicht, weil sie selbst Redebedarf haben, sondern weil sie bereit sind, anderen zuzuhören. Denn ein offenes Ohr ist manchmal noch wichtiger als viele Worte.

Übrigens: In Baden-Württemberg gibt es inzwischen an vielen Orten „Schwätzbänkle“ – vielleicht auch bei Ihnen vor Ort? Wenn ja: Vielleicht mögen Sie sich ja auch mal hinsetzen und schauen, was passiert. Falls Sie selbst gar nicht reden wollen, dann kommt vielleicht jemand, der sich freut, wenn Sie einfach zuhören. Der dankbar ist, wenn Sie Ihr Ohr leihen und Ihre Zeit schenken. Und so das „Schwätzbänkle“ zum „Zuhörbänkle“ machen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44266
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